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Wirtschaft VW gibt Karmann eine neue Chance
Mehr Welt Wirtschaft VW gibt Karmann eine neue Chance
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22:40 20.11.2009
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Bis dahin gibt es eine Durststrecke zu überstehen: In den nächsten beiden Jahren fehlt Beschäftigung für die Karmann-Mitarbeiter. Die Landesregierung will mit VW und dem Insolvenzverwalter eine „Brückenlösung“ für die Betroffenen suchen.

Nach dem monatelangen Gezerre um das Traditionsunternehmen überwog gestern dennoch die Erleichterung bei allen Beteiligten. Insolvenzverwalter Ottmar Hermann sprach von einem „glücklichen Tag“. „Osnabrück bleibt Autostadt“, sagte Betriebsratschef Wolfram Smolinski. Die Entscheidung sei gut für VW und gebe den Mitarbeitern in Osnabrück neue Perspektiven, erklärte Ministerpräsident Christian Wulff, der das Thema im VW-Aufsichtsrat immer wieder auf den Tisch gebracht hatte. IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine sprach von einem „Teilerfolg mit Licht und Schatten“ nach „sehr harten Verhandlungen“.

Bis zuletzt hatten die Eigentümerfamilien um den Preis gepokert. VW soll mehr als 30 Millionen Euro geboten haben, die Detailverhandlungen sollen in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. Der Konzern übernimmt allerdings weder das Unternehmen noch den Namen Karmann, sondern gründet eine neue „Volkswagen-Osnabrück GmbH“, in die Grundstücke, Gebäude und Maschinen eingebracht werden. In knapp zwei Jahren könnten dort wieder Autos vom Band rollen, nach Wulffs Angaben soll es zunächst ein Golf Cabrio sein, das schon länger in der Planung ist.

Das Osnabrücker Projekt wurde nachträglich in die Investitionsplanung aufgenommen, über die der VW-Aufsichtsrat gestern ebenfalls beriet. Im Gesamtpaket fällt Karmann allerdings nicht weiter auf: Insgesamt will der VW-Konzern in den nächsten drei Jahren 25,8 Milliarden Euro in das Autogeschäft investieren. Das entspricht rund sechs Prozent vom Umsatz und damit dem Niveau der vergangenen Jahre. „Volkswagen setzt seine langfristige Wachstumsstrategie mit Nachdruck fort“, sagte Vorstandschef Martin Winterkorn.

Der Kontrolle über Porsche ist VW ebenfalls ein Stück nähergekommen. Der Aufsichtsrat stimmte den Fusionsverträgen zu.

von Stefan Winter und Bernhard Remmers