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Wirtschaft VW bei Porsche vor dem Ziel
Mehr Welt Wirtschaft VW bei Porsche vor dem Ziel
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21:21 22.07.2009
Von Stefan Winter
Wendelin Wiedeking Quelle: Michael Latz/ddp
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Am Mittwochabend sah es so aus, als würde noch vor Beginn der Sitzungen ein entscheidendes Problem gelöst: Überraschend trat bereits der Porsche-Aufsichtsrat zusammen und beriet nach HAZ-Informationen über die Ablösung von Wendelin Wiedeking. Der Porsche-Chef ist strikt gegen eine Einbindung seines Unternehmens in den VW-Konzern. Schon im Tagesverlauf hatte es in Kreisen des VW-Aufsichtsrats geheißen, wenn Wiedeking am Donnerstag noch mit am Tisch sitze, brauche man sich eigentlich gar nicht erst zu treffen.

Offiziell blieb Porsche am Mittwoch allerdings den ganzen Tag über bei seiner Linie: Wiedeking werde heute wie geplant ein eigenes Konzept für die Zukunft der beiden Konzerne vorlegen, sagte sein Sprecher. Wichtigster Punkt ist der Einstieg des Emirats Katar, um mit frischem Kapital die Schulden zu senken und aus einer stärkeren Position über den Zusammenschluss mit VW zu verhandeln. Nach wie vor ist allerdings unklar, ob es dazu überhaupt ein konkretes Angebot Katars gibt. Das VW-Konzept sieht die Araber in einer anderen Rolle: Sie sollen sich an VW beteiligen, nachdem Porsche mit dem Wolfsburger Konzern verschmolzen ist.

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Wiedekings Abschied galt seit Tagen als besiegelt, zumal er in Wolfsburg nicht mehr als Partner akzeptiert wird. Das Verhältnis Wiedekings zur VW-Führung und der Landesregierung als zweitem VW-Großaktionär ist mittlerweile völlig zerrüttet. Nach vielen Tricksereien Wiedekings gebe es keinerlei Vertrauensbasis mehr, heißt es. Offenbar wolle er aber nicht freiwillig gehen, um seine Abfindung nicht zu gefährden, hieß es gestern. Und Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche scheue sich, den Mann zu feuern, dem die Familie jahrelang satte Gewinne verdankte.

Die VW-Seite beginnt den heutigen Tag bereits um 8 Uhr mit internen Besprechungen, die eigentliche Aufsichtsratssitzung am Stuttgarter Flughafen startet um 12 Uhr. Die reguläre Sitzung der Porsche-Aufseher sollte um 16 Uhr im Weissacher Entwicklungszentrum des Sportwagenherstellers beginnen. Ein Beschluss ist zwar erst für nächste Woche angekündigt, doch bei VW ist man sich des Erfolgs sicher. „Die Familien wollen die Integration“, heißt es in Wolfsburg, und zu dem VW-Weg gebe es keine Alternative.

VW will den Familien Porsche und Piëch in einem ersten Schritt 49 Prozent – eventuell auch weniger – von ihrem Sportwagenhersteller Porsche AG abkaufen. Später soll er komplett übernommen und mit VW verschmolzen werden. Die Familien behielten aber rund die Hälfte der VW-Stammaktien. Unklar ist allerdings, ob zusätzlich weitere Schritte nötig sind, um die Schulden der Familie zu senken und Finanzrisiken abzudecken.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), der sich stets für eine Vormachtstellung von Porsche bei VW stark gemacht hatte, warb gestern für einen Zusammenschluss. Entscheidend sei, dass Porsche in einem neuen Konzern seine Eigenständigkeit behalte und Standorte sowie Arbeitsplätze der 11.000 Mitarbeiter gesichert würden. Die Eigentümer hatten schon vor Monaten beschlossen, einen integrierten Autokonzern mit zehn selbstständigen Marken zu schaffen.