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Wirtschaft VW-Konzernspitze genehmigt Ducati-Übernahme
Mehr Welt Wirtschaft VW-Konzernspitze genehmigt Ducati-Übernahme
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09:47 19.04.2012
Von Stefan Winter
Foto: „Gute Möglichkeiten der Kooperation“: Ducati gehört künftig zum Volkswagenkonzern.
„Gute Möglichkeiten der Kooperation“: Ducati gehört künftig zum Volkswagenkonzern. Quelle: dpa
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Hannover

Audi-Chef Rupert Stadler lobte die Italiener vor allem für das Know-how bei Motorentechnik und Leichtbau: „Damit passt Ducati hervorragend zu Audi.“ Die Marke aus Bologna wird Audis dritte Tochter in Norditalien: Auch Lamborghini und Italdesign sind bei den Ingolstädtern angedockt.

Ducati wird – zählt man Porsche schon dazu – die zwölfte Marke des VW-Konzerns. Über den Kauf war lange spekuliert worden, vor allem der motorradbegeisterte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll ihn vorangetrieben haben. Den Preis nannte Audi gestern nicht, er wird auf rund 800 Millionen Euro geschätzt. Dafür bekommt der Konzern ein Unternehmen mit 1100 Mitarbeitern, das im vergangenen Jahr 42.000 Motorräder verkaufte und damit 480 Millionen Euro Umsatz machte. Der Gewinn wurde nicht genannt.

Das Traditionsunternehmen hat schwere Krisen und mehrere Besitzerwechsel hinter sich, gehörte in den vergangenen Jahren aber zu den wenigen Gewinnern im Motorradmarkt. Der Finanzinvestor Investindustrial hat die Modellpalette ausgebaut und in die Internationalisierung investiert. Neben dem Hauptsitz in Bologna gibt es noch eine Produktion in Thailand.

Ducati biete mit seiner Erfahrung im Leichtbau, spezieller Motorentechnik und fortschrittlichen Steuerungssystemen „große Potenziale“ für den ganzen Konzern, erklärte Stadler. Zudem werde die Nachfrage nach Motorrädern vor allem in Asien deutlich wachsen.

Der Zukauf sei „mit Blick auf die weitere Entwicklung großstädtischer Mobilität interessant“, sagte Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied David McAllister. Ducati sei eine „technologisch hoch attraktive Marke“, die „gute Möglichkeiten der Kooperation mit Audi“ biete. Für die Ingolstädter gibt es zwei Anknüpfungspunkte: Auf der einen Seite ist Lamborghini bei Autos ähnlich positioniert wie Ducati bei Motorrädern. Gleichzeitig sucht Audi nach neuen Produkten für die wachsenden Millionenstädte – zum Beispiel in Gestalt sportlicher Minimobile.

Mit der Entwicklung der Elektromobilität wird Zweirad-Know-how für die Autobauer wieder interessant, denn gebraucht werden kleine und leichte Fahrzeuge für die Kurzstrecke. Nicht zuletzt das Beispiel BMW dürfte Audi beflügelt haben. Bei dem Münchener Konkurrenten ist Motorradbau jahrzehntelange Tradition. Der Konzern hat mit dem überdachten Roller C1 vor Jahren sogar schon einen – letztlich allerdings gescheiterten – Versuch für ein Stadtmobil unternommen. Daimler will die Kleinwagenmarke Smart in dieser Richtung ausbauen. Selbst VW hat schon ein Zweirad mit Elektroantrieb präsentiert – in China, denn dort erleben diese Fahrzeuge derzeit einen Boom.

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