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Wirtschaft VW-Aktionäre blicken weitgehend optimistisch in die Zukunft
Mehr Welt Wirtschaft VW-Aktionäre blicken weitgehend optimistisch in die Zukunft
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16:45 23.04.2009
Quelle: Roland Magunia/ddp
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Spätestens seit Ende 2008 hat die Finanz- und Wirtschaftskrise auch die Automobilbranche erreicht. „Die Märkte sind weltweit eingebrochen und im ersten Quartal 2009 hat sich dieser massive Abwärtstrend fortgesetzt“, betonte Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn am Donnerstag auf der 49. Hauptversammlung des Unternehmens im Congress Center Hamburg. Diese Entwicklung hat auch beim Wolfsburger Autobauer Spuren hinterlassen. Dennoch hat sich VW besser als der Gesamtmarkt geschlagen. So zeigten sich Groß- und Kleinaktionäre weitgehend optimistisch im Hinblick auf die Zukunft. Scharfe Kritik am Vorstand blieb aus.

Dabei wird Europas größter Autokonzern derzeit mit mehreren ungelösten Fragen konfrontiert: Nach den bereits am Mittwoch veröffentlichten Zahlen hat den DAX-Konzern im ersten Quartal nur der Verkauf des brasilianischen Geschäfts mit schweren Lastkraftwagen und Bussen vor den roten Zahlen gerettet. Der Gewinn sackte von 929 Millionen auf 243 Millionen Euro ab.

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Ferner prüft die EU-Kommission Medienberichten zufolge unverändert das novellierte VW-Gesetz. Die Bundesregierung hatte das VW-Gesetz Ende 2008 nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshof (EuGH) modifiziert. Dabei blieb jedoch die Sperrminorität von 20 Prozent statt der im Aktienrecht üblichen 25 Prozent bestehen. Damit kann das Bundesland Niedersachsen mit seinem Anteil am Unternehmen in dieser Höhe Entscheidungen blockieren.

Schließlich sucht die Porsche Automobil Holding SE, die derzeit 50,8 Prozent an VW hält, aufgrund von Finanzierungsproblemen offenbar nach einem Großinvestor. Laut „manager magazin“ können die Eigentümerfamilien Porsche und Piech die mindestens angestrebten 75 Prozent an VW nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Derweil lotet VW angeblich den Kauf des wackelnden Stuttgarter Sportwagenherstellers aus. VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch rechnet der „Financial Times Deutschland“ zufolge diese Möglichkeit durch. Würde VW dies umsetzen, wäre die bisherige VW-Machtkonstellation auf den Kopf gestellt.

Die Porsche-Holding dementierte am Donnerstag angebliche Überlegungen zu einem Verkauf ihres Sportwagengeschäfts noch einmal klar. „Wir weisen diese Spekulationen, die derzeit gezielt gestreut werden, entschieden zurück“, sagte ein Porsche-Sprecher der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires.

Winterkorn sagte auf der Hauptversammlung, VW habe den Schritt begrüßt, dass Porsche zu Beginn des Jahres die Mehrheit der Stammaktien übernommen habe. Er folge einer klaren wirtschaftlichen Logik, die VW und Porsche nutze. Diese Allianz habe ein enormes technologisches wie wirtschaftliches Potenzial. Und laut Winterkorn sind VW und Porsche „auf dem Weg des Zusammenwachsens zuletzt ein gutes Stück vorangekommen“.

„Wir beobachten die aktuelle Lage mit gemischten Gefühlen“, sagte ein Ehepaar auf der Hauptversammlung. Niemand wisse, wie lange die globale Krise noch dauere. Darum sollte Niedersachsen seine Sperrminorität behalten. „Aber wir hoffen, dass es bald wieder bergauf geht“, betonten die Kleinaktionäre. Ein älterer Herr hingegen ist sich sicher: „Ich gehe mit Zuversicht in die Zukunft.“ VW sei ein Traditionskonzern, der auch diese schwerwiegende Situation meistern werde, sagte er trotz düsterer Aussichten.

Deutlicher wurde ein junger Kleinaktionär: Die Krise werde hochgejubelt. „Ich sehe das nicht so dramatisch, denn in etwa zwei Jahren wird sich der Markt erholt haben“, erklärte er. Die Abwrackprämie habe dafür einen guten Grundstein gelegt. Ohnehin scheint der junge Mann für viele andere Kleinaktionäre zu sprechen, die grundlegenden Unmut an der VW-Politik an diesem Tag vermeiden. „Stabil und erfolgreich“ hieß stattdessen die Parole.

Das eint sie mit Pötsch: „Obwohl wir 2009 durch ein Tal gehen werden, sehen wir unsere Zukunft positiv.“ Vorstand und Aufsichtsrat hätten der Hauptversammlung eine Anhebung der Dividende der VW AG auf einen Betrag von 1,93 Euro je Stammaktie beziehungsweise 1,99 Euro je Vorzugsaktie vorgeschlagen, sagte Pötsch.

Trotzdem liegt ein schwieriges Jahr vor dem Autobauer - „eines der schwierigsten in unserer Unternehmensgeschichte“, erklärte Winterkorn. Wichtigstes Ziel bleibe, die Stammbelegschaft zu halten. Allerdings würden die Verträge für viele Leiharbeitnehmer nicht verlängert werden können.

Die Grundlagen für die steigenden Herausforderungen sind gelegt: „Wir haben unsere Prozesse verbessert, die Kosten weiter gesenkt und die Produktivität in unseren Werken erneut gesteigert“, sagte der VW-Vorstandschef. Der Konzern sei auf glatter Strecke nicht ins Rutschen gekommen. „Und wir halten unbeirrt Kurs“, versprach Winterkorn, ohne eine konkrete Prognose abzugeben. VW wolle auf nüchternen Realismus statt Panikmache setzen, auf gesundes Augenmaß statt Aktionismus.

ddp