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Wirtschaft Unternehmen fordern Abbau der Iran-Sanktionen
Mehr Welt Wirtschaft Unternehmen fordern Abbau der Iran-Sanktionen
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20:37 04.04.2015
Foto: Die deutsche Automobilindustrie würde gerne den iranische Markt erschließen.
Die deutsche Automobilindustrie würde gerne den iranische Markt erschließen. Quelle: dpa
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Berlin

Nach der Grundsatzeinigung im Atomstreit zwischen dem Westen und dem Iran hofft die deutsche Wirtschaft auf einen zügigen Abbau der Sanktionen gegen das Land. Auch Politiker plädieren für einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen.

„Der Iran bietet gerade auch deutschen Unternehmen ein großes Potenzial, insbesondere in den Bereichen Automobil, Maschinenbau und Energie“, erklärte ein Sprecher des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) in Berlin. „Um jedoch die Potenziale vollständig ausschöpfen zu können, müssen sowohl die EU als auch die USA den Sanktionsabbau möglichst schnell vorantreiben.“

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union, Michael Fuchs (CDU), sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag): „Wir sollten die bestehenden Sanktionen nun im Rahmen eines streng überwachten Abkommens schnellstmöglich lockern.“ Er verwies auf den großen Nachholbedarf Irans.

Das Land habe zudem den großen Vorteil, dass es dank seiner reichen Rohstoffvorkommen in der Lage sein werde, die nötigen Importe von Maschinen, Ausrüstungen, Konsumgütern zu bezahlen. Vor allem aber könne ein politisch gemäßigter Iran die wachsende Abhängigkeit Deutschlands und Europas von russischen Gaslieferungen verringern, so Fuchs. Iran verfüge über große Gasvorkommen.

Nach langem Ringen hatten sich die fünf UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) sowie Deutschland am Donnerstag mit dem Iran auf Eckpunkte für ein Rahmenabkommen geeinigt. Die in Lausanne erzielte Vereinbarung sieht strenge Beschränkungen für das iranische Atomprogramm vor. Im Gegenzug sollen Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden. Bis Ende Juni soll ein endgültiges Abkommen stehen - damit will der Westen verhindern, dass sich der Iran sein Atomprogramm militärisch nutzt.

Auch nach Einschätzung von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) birgt die jüngste Entwicklung Chancen für die deutsche Wirtschaft und die Entwicklungszusammenarbeit. „Ein Abkommen würde sicherlich zu einem schrittweisen Abbau der Sanktionen führen. Das wäre eine Chance für unsere Unternehmen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). „Deutschland hat traditionell gute wirtschaftliche Beziehungen zum Iran, die schnell wieder ausgebaut werden könnten.“

Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und dem Iran war in den zurückliegenden Jahren nicht zuletzt infolge der westlichen Wirtschaftssanktionen gegen das Land eingebrochen. 2014 ist ernach Angaben des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen erstmals wieder gewachsen.

In dem Jahr wurden Güter im Wert von 2,68 Milliarden Euro ausgetauscht. Auch wenn damit Werte wie die von 2010 mit 4,71 Milliarden Euro nicht erreicht werden konnten, nahmen doch vor allem die deutschen Exporte in den Iran stark zu (plus 30 Prozent). Dabei gehörten Maschinen, pharmazeutische und chemische Erzeugnisse sowie elektrische Ausrüstungen zu den wichtigsten Exportgütern.

Die Grundsatzeinigung in dem seit mehr als einem Jahrzehnt andauernden Atomstreit löste weltweit ein geteiltes Echo aus. US-Präsident Barack Obama lobte die Vereinbarung als historischen Schritt. In Teheran brachen spontane Jubelfeiern aus. Mit Bestürzung reagierte dagegen Israel. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sieht das Überleben Israels gefährdet.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier mahnte, für Jubelstimmung sei es noch zu früh. „Wir haben Hindernisse aus dem Weg geräumt, die in den letzten zehn Jahren einer Verständigung mit dem Iran immer im Weg gestanden haben“, sagte er im polnischen Wroclaw (Breslau).

dpa

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