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Wirtschaft Unsicherheit vor Griechen-Wahl
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20:15 14.06.2012
Von Albrecht Scheuermann
An den Börsen wie in Madrid gibt es zurzeit fast nur ein Thema: Wie geht es weiter mit der Schuldenkrise?
An den Börsen wie in Madrid gibt es zurzeit fast nur ein Thema: Wie geht es weiter mit der Schuldenkrise? Quelle: dpa
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Dies setzte die Kurse der spanischen Anleihen stark unter Druck. Zugleich musste Italien für neu herausgegebene Bonds deutlich höhere Zinsen bezahlen. Führende Banker und Politiker sehen die Euro-Zone jetzt an einem entscheidenden Punkt. Ohne Grundsatzbeschlüsse hin zu einer Fiskalunion drohe ein Zerfall. Europa stehe vor einer „Richtungsentscheidung, die nicht länger vertagt werden darf“, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

Am Donnerstag nahmen die Sorgen um Spanien weiter zu. Das Land hatte am Wochenende angekündigt, Hilfe für die Sanierung des Bankensystems zu beantragen. Die Ratingagentur Moody’s senkte daraufhin die Bonität Spaniens um drei Stufen auf „Baa3“. Damit rangiert das Land nur noch eine Stufe über Ramsch-Status. Begründet wurde der Schritt mit den geplanten Hilfskrediten von bis zu 100 Milliarden Euro für die spanischen Banken. Dies würde die Schuldenlast des Landes weiter erhöhen. Zudem stufte Moody’s auch die Kreditwürdigkeit Zyperns herunter.

Am Donnerstag führte dies zu deutlichen Kurseinbußen für Spanien-Bonds. Dadurch kletterte die durchschnittliche Rendite von zehnjährigen Papieren bis knapp unter die Marke von 7 Prozent, das höchste Niveau seit Euro-Einführung. Dies bedeutet zugleich, dass Spanien für neue Kredite höhere Zinsen bieten muss - was die Finanzprobleme zusätzlich verschärft.

Im Fokus der Märkte steht ebenfalls Italien wegen seiner hohen Gesamtverschuldung. Das Land hatte am Donnerstag zwar keine Probleme, durch die Ausgabe von drei Anleihen wie geplant 4,5 Milliarden Euro einzunehmen. Allerdings musste der Finanzminister in Rom den Investoren erheblich höhere Zinsen bieten als zuvor.

Viele Marktteilnehmer blicken nun gespannt nach Athen. Sollten bei der Parlamentswahl am Sonntag die Parteien siegen, die das mit den anderen Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ausgehandelte Sparprogramm ablehnen, werden erhebliche Marktturbulenzen erwartet. Schließlich gilt dann eine Pleite des Landes und auch ein Abschied vom Euro als wahrscheinlich.

Allerdings sind sich die Experten über die möglichen Folgen eines solchen Ausgangs nicht ganz einig. Der Nord/LB-Volkswirt Jens Kramer warnt davor, einen Sieg der den jetzigen Regierungskurs in Athen ablehnenden Parteien auf die leichte Schulter zu nehmen. Griechenland könnte zum „Trigger“ für die Entwicklung in der Euro-Zone insgesamt werden. Andere Länder wie Spanien und Italien könnten dadurch stark unter Druck geraten. Das Vertrauen in die Euro-Zone als ganzes könnte vollends verloren gehen, warnte Kramer.

Bundesbank-Präsident Weidmann forderte am Donnerstag neue Weichenstellungen. Grundlage müsste eine im Konsens beschlossene und demokratisch umfassend legitimierte Fiskalunion sein, die einigen Mindeststandards genüge und die Geberländer nicht überfordere, sagte er auf einer Konferenz des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Da das finanz- und wirtschaftspolitische Fundament der Währungsunion „tiefe Risse“ bekommen habe, müsse die Politik Antworten finden und einen Rahmen setzen, sagte Weidmann. Dabei dürfe eine gemeinschaftliche Haftung für Schulden und Risiken erst am Ende und nicht am Anfang eines Integrationsprozesses mit Bankenunion und anderen Elementen stehen.

Die Euro-Schuldenkrise und die Unsicherheit an den Märkten machen es nach Einschätzung der Deutschen Bank für Unternehmen immer schwerer, im Voraus zu planen. „Noch nie in seiner 13-jährigen Geschichte war die Einheit des Euro-Währungsraums so ungewiss und damit auch die Handlungsgrundlage für jeden von uns“, sagte Finanzchef Stefan Krause am Donnerstag auf einer Konferenz in Königstein bei Frankfurt. Er hält es aber für „sehr, sehr gering bis unwahrscheinlich“, dass es tatsächlich zu einem Austritt der Griechen aus dem Euro komme.

mit: dpa/rtr

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