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Wirtschaft Unerwartete Sympathie für Vertagung von Mobilfunkauktion
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15:59 12.10.2021
Ein Mobilfunkmast ist auf einem alten Wasserturm im Dresdner Stadtteil Klotzsche installiert. Überall in Deutschland benötigen die Mobilfunker Antennen mit großer Reichweite. Einen erbitterten Kampf um die Frequenzen wollen die Netzbetreiber verhindern.
Ein Mobilfunkmast ist auf einem alten Wasserturm im Dresdner Stadtteil Klotzsche installiert. Überall in Deutschland benötigen die Mobilfunker Antennen mit großer Reichweite. Einen erbitterten Kampf um die Frequenzen wollen die Netzbetreiber verhindern. Quelle: Robert Michael/dpa-Zentralbild/d
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Die Chancen für eine Vertagung der nächsten Frequenzauktion im Mobilfunk steigen. Nun haben auch zwei renommierte Institutionen, die den Wettbewerb hochhalten, ihre Sympathie dafür bekundet, bestehende Nutzungsrechte zunächst einmal zu verlängern: die Monopolkommission und das Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW.

Der Hintergrund: Derzeit verfügen die drei Netzbetreiber Vodafone, Deutsche Telekom und Telefonica/O₂ über die Lizenzen für Mobilfunkfrequenzen im Bereich von 800 Megahertz. Unter anderem die Nutzungsrechte für dieses Spektrum laufen eigentlich Ende 2025 aus. Bleibt es bei den bestehenden Regelungen, müssten die Frequenzen 2022 oder 2023 neu vergeben werden. Bislang wurde Derartiges über Versteigerungen durch die Bundesnetzagentur (BnetzA) umgesetzt.

Die Behörde hat nun eine Vielzahl von Firmen und Organisationen über das weitere Vorgehen befragt. Der Umgang mit den Frequenzen ist brisant, da sie für die Versorgung des ländlichen Raumes enorm wichtig sind. Doch mit dem Unternehmen 1&1 gibt es inzwischen einen weiteren potenziellen Bieter. Diese Konstellation könnte dazu führen, dass die vier Interessenten sich gegenseitig überbieten und so den Preis für die Lizenzen in extreme Höhen schrauben.

Denkbar ist zudem, dass einer der drei bisherigen Nutzer der Frequenzen den Kürzeren zieht. Größere Löcher im Mobilfunknetz könnten die Folge sein. Das würden insbesondere Menschen im ländlichen Raum zu spüren bekommen. Laut Vodafone könnten davon bis zu vier Millionen Nutzerinnen und Nutzer betroffen sein.

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Vodafone, Telekom und Telefonica machen sich dafür stark, die Auktion für mehrere Jahre zu verschieben, um dann mit dem 800er-Spektrum bis dahin zusätzlich freigewordene Frequenzen zu offerieren. Das höhere Angebot soll mögliche Verwerfungen verhindern. Letztlich geht es bei all dem um den Ausbau des mobilen Breitbandangebots.

Die Monopolkommission, die die Bundesregierung berät, und das ZEW betonen zwar, dass Versteigerungen im Prinzip die am besten geeigneten Vergabeverfahren sind. In ihren Stellungnahmen, die auf der Website der BnetzA gerade veröffentlicht wurden, kehren beiden Institutionen aber auch die Vorteile einer Vertagung hervor.

Roaming als Zwischenlösung

So argumentiert die Monopolkommission: Bei einer Verlängerung der Funklizenzen um drei Jahre und einer entsprechend späteren Auktion werde es „auch Neueinsteigern, das heißt der 1&1 AG und anderen potenziellen Neueinsteigern, möglich, einen gleichwertigen Anteil am Flächenspektrum zu erwerben“. Zudem könnten Ausbauauflagen, die sich auf eine Flächenversorgung beziehen, strikt an den Zeitpunkt der Vergabe der Frequenzen gebunden werden.

Ähnlich das ZEW: Ein Verfahren mit vielen Frequenzen ermögliche „einem Neueinsteiger eher, sich eine kompetitive Ausstattung zu sichern“. Und weiter: „Markteintritt wird umso leichter, je mehr Frequenzen zur Vergabe stehen.“ Einer der Nachteile sei, dass von einer Verlängerung nicht alle Akteure gleichermaßen profitieren. Das gelte wiederum insbesondere für 1&1. Aber: „Temporäres Roaming könnte einen Teil der Ungleichbehandlung aufheben.“

Gemeint ist damit, dass dem Newcomer für einen begrenzten Zeitraum Netzkapazitäten von einem anderen Betreiber zur Verfügung gestellt werden. Genau dies wird bereits mit einem ersten Vertrag zwischen 1&1 und Telefonica umgesetzt. Der Hinweis des ZEW legt nahe, dass solche Vereinbarungen noch ausgeweitet werden müssten.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

Der Artikel "Unerwartete Sympathie für Vertagung von Mobilfunkauktion" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.