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Wirtschaft Weniger als erwartet: Uber verdient beim Börsengang 8,1 Milliarden Dollar
Mehr Welt Wirtschaft Weniger als erwartet: Uber verdient beim Börsengang 8,1 Milliarden Dollar
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18:51 10.05.2019
Anlass zum Jubeln: Die Uber-Mannschaft feierte am Freitag, als das Unternehmen fast acht Milliarden Dollar an der Börsen einsammelte. Quelle: Richard Drew/AP/dpa
Frankfurt

Die New Yorker Börse ist um ein Ticker-Symbol reicher: Uber. Das Unternehmen gab am Freitagnachmittag sein Debüt am Aktienmarkt. 180 Millionen Anteilscheine waren für 45 Dollar pro Stück ausgegeben worden. Das Unternehmen sammelte damit 8,1 Milliarden Dollar ein.

Der Börsengang ist der größte und spektakulärste der vergangenen fünf Jahre. Das Unternehmen aus San Francisco kommt auf eine Gesamtbewertung von rund 82 Milliarden Dollar, hat sich damit in puncto Marktkapitalisierung aus dem Stand in die Kategorie des weltgrößten Autobauers Volkswagen katapultiert. Obwohl Uber meilenweit davon entfernt ist, Gewinne einzufahren. Im den vergangenen drei Jahren haben sich die Verluste auf rund zehn Milliarden Dollar summiert. Zugleich kletterten 2018 aber die Umsätze um gut 40 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar.

Der US-Fahrdienstvermittler Uber ist aber auf schwache Nachfrage von Anlegern gestoßen. Der erste Kurs der unter dem Tickerkürzel „UBER“ gelisteten Papiere lag am Freitag bei 42 Dollar - knapp sieben Prozent unter dem Ausgabepreis von 45 Dollar.

Mit den 45 Dollar lag der Ausgabepreis am unteren Ende der vorher festgelegten Spanne von 44 bis 50 Dollar. Dafür gab es Lob von Analysten. Von einer klugen Entscheidung war die Rede und davon, dass dies eine Lehre aus dem Börsengang des kleineren Konkurrenten Lyft sei. Dessen Papier hat seit dem Gang aufs Parkett fast ein Viertel an Wert verloren. Laut US-Finanzdienst Bloomberg haben die betreuenden Banker zudem darauf geachtet, dass die Uber-Aktien gezielt an institutionelle Anleger verteilt wurden, die auf langfristige Investments setzen.

Uber hat ein Vorbild: Amazon

Dass das Tickersymbol dem Namen des Unternehmens exakt entspricht, ist kein Zufall. Das haben sich Finanzmarktprofis ausgedacht. Uber ist zuallererst ein Produkt von Investmentbankern, die mit dem Börsengang ihr Projekt nun erfolgreich abschließen konnten. Dass beim Werben um Investoren immer wieder die Analogien zum Online-Handelsgiganten Amazon hergestellt wurden, ist ebenfalls nicht zufälliger Natur. Die Story um Uber basiert vor allem darauf, dass sich wiederholen lässt, was Jeff Bezos mit seinem Konzern geschafft hat, der einst als Internet-Buchhändler startete, über viele Jahre hohe Verluste einfuhr, inzwischen aber den weltweiten Online-Handel dominiert. Bei Uber geht es um Mobilität in jeglicher Form.

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Erhöhen Fahrdienste wie Uber das Verkehrsaufkommen?

Neben dem klassischen Fahrdienst, der mit einer Smartphone-App funktioniert, organisiert das Unternehmen Essenslieferungen, es vermittelt Frachtaufträge für Lkw-Fahrer und bietet Elektrofahrräder sowie E-Tretroller zur Kurzzeitmiete an. Das alles sind derzeit Geschäfte, mit denen sich nur wenig oder gar kein Geld verdienen lässt. Doch in der Investment-Story wird die gigantische Mengen an gesammelten Daten gepriesen, der mit jeder Uber-Fahrt größer wird. Ein klassisches Silicon-Valley-Muster: Dortige Startups setzen fast ausnahmslos darauf, digitale Informationen, die Nutzer kostenlos liefern, zu Geld zu machen. Vor allem indem damit das eigene Geschäft optimiert werden kann – so wie es Google, Amazon und Co vorgemacht haben.

Hoffen auf die Robotertaxis

Eine weitere Zutat ist der technologische Fortschritt: Wer Uber-Aktien kauft setzt darauf, dass sich Robotertaxis schnell durchsetzen. Als wichtige Komponente kommt hinzu, dass mit einer aggressiven Wachstumsstrategie eine beherrschende Position im globalen Transport- und Beförderungsgeschäft angestrebt wird. Klar ist, dass auf Dauer nur so Profite möglich sind. Zumindest aber im weltweit wichtigsten Markt – China – ist die Expansion schon gescheitert. Dort konnten sich die Amerikaner nicht gegen den dortigen Anbieter Didi-Chuxing durchsetzen. Jetzt ist Uber an dem Ex-Rivalen beteiligt, der beim Durchsetzen neuer Mobilitätsdienste inzwischen erheblich weiter ist als das US-Unternehmen.

Uber ist indes auch auf dem Heimatmarkt umstritten. Der Weg an die Börse wurde von Protesten von Fahrern in vielen Städten begleitet. Sie beklagen die geringe Bezahlung, die es noch nicht einmal zulasse, sich „eine Gesundheitsversorgung leisten zu können“, so die New Yorker Taxifahrer-Gewerkschaft. Hart arbeitende Menschen würden in „Armut und Verzweiflung“ getrieben. Die Fahrer arbeiten als Selbstständige mit ihrem eigenen Pkw, sie werden nach den absolvierten Fahrten bezahlt. Ein Großteil der Einnahmen bleibt beim Vermittler.

Uber selbst spricht von einem Verdienst für die Fahrer von knapp neun Dollar pro Stunde – wobei die Spanne sehr groß ist. Denn Preise variieren ja nach Nachfrage, und die Fahrer müssen die Aufwendungen für ihr Fahrzeug selbst aufbringen. Dennoch sind die Fahrer der mit weitem Abstand größte Kostenposten für das Uber-Management. Um ihn schnell zu verringern, werden viele Milliarden Dollar in die Entwicklung des autonomen Fahrens investiert.

Eingeschränktes Angebot in vielen Staaten

Hierzulande ist Uber derzeit nur in wenigen Städten mit einem stark eingeschränkten Angebot unterwegs. Zahlreiche Gerichte haben die Expansion auch in anderen europäischen Ländern gestoppt, weil sie in Ubers Geschäftspraktiken Verstöße gegen die Bestimmungen für die Personenbeförderung sehen. Gleichwohl herrscht auch in der deutschen Taxi-Branche helle Aufregung, weil die Bundesregierung genau diese Regelungen liberalisieren will.

Mit dem Börsengang habe Uber nun die Möglichkeit, Marktanteile in seinen Märkten auszubauen, sagte Arun Sundararajan zu Bloomberg. Der Experte für digitale Geschäftsmodelle betonte aber auch, dass das Management nun in jedem Quartal seine Geschäftszahlen rechtfertigen müsse. Die Freiheit, langfristige Ziele anzusteuern, werde dadurch massiv eingeschränkt.

Von RND/Frank-Thomas Wenzel