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16:20 17.10.2012
Deutschland gilt bei vielen US-Firmen als bewährter Partner. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

US-Manager mögen Deutschland, vor allem die deutsche Zuverlässigkeit zieht sie an. Stabilität und Sicherheit machen selbst manchen schweren Brocken wie die als überzogen empfundene Bürokratie leichter verdaulich, wie US-Investoren im AmCham-Business-Barometer betonen. Demnach wird Deutschland trotz der lodernden Staatsschuldenkrise im Euroraum weiter als bewährter Partner und als Fels in der Brandung geschätzt.

153 Milliarden Euro setzten die US-Unternehmen zuletzt in Deutschland um - und gaben 350 000 Menschen einen Job. Nach den Zahlen der AmCham Germany stellen US-Firmen wie Procter & Gamble, IBM oder Coca-Cola damit 0,8 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland. Größte Arbeitgeber - inklusive Franchise - sind demnach die Fast-Food-Ketten McDonald's und Burger King, die 2010 hierzulande zusammen 85 000 Mitarbeiter hatten.

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Weitere Top-Arbeitgeber sind die Autobauer Ford und Opel. Der Rüsselsheimer Autobauer ist ein Beispiel dafür, wie schwierig die Zusammenarbeit über den Atlantik hinweg sein kann. Opel fährt seit Jahren Verluste ein, als Verursacher von Absatzrückgängen und Imageproblemen machen Opelaner und Gewerkschafter in Europa immer wieder die Manager der US-Mutter General Motors (GM) aus.

Exemplarisch ist der Vorwurf von IG-Metall-Chef Berthold Huber auf einer Kundgebung Anfang 2009, als GM vor dem Abgrund stand und drohte, Opel mitzureißen: Huber warf den Managern in Detroit Profitgier und Verantwortungslosigkeit vor: „Sie haben ... Automodelle mit dem Luftwiderstandswert eines Scheunentors und dem Leergewicht eines Mini-Panzers produziert.“ Bei hohen Spritpreisen seien diese Modelle „so gefragt wie Tiefkühltruhen am Nordpol“.

Opel ist eigentlich ein urdeutsches Unternehmen, aber gehört seit 1929 zu GM. Ähnlich lange ist Ford in Deutschland am Start - ein uramerikanisches Unternehmen, dessen deutsche Tochter in Köln sich aber immer als „deutscher Autohersteller“ bezeichnet. Das ist nicht nur ein Werbegag. Bei einem Besuch in Köln Ende 2011 hatte Ford-Chef Alan Mulally gesagt: „Ford bekennt sich klar zum Hightech-Standort Deutschland. (...) Nirgendwo außerhalb der USA besitzen wir eine stärkere Entwicklungs- und Produktionspräsenz als hier in Deutschland.“

Fords Europazentrale ist ebenso in Köln. Außerdem betreibt Ford in Aachen ein Forschungszentrum, das einzige neben Detroit. „Die deutschen Standorte haben für Ford die Expertise im Klein- und Kompaktwagenbereich“, sagte die Sprecherin der Ford-Werke GmbH, Beate Falk. 80 Prozent der hier produzierten Fahrzeuge gehen in den Export. Größere generelle Probleme mit dem Standort Deutschland gibt es nach Angaben der Sprecherin nicht. Natürlich seien Steuerrecht und Umweltstandards anders als in den USA, aber in der Hinsicht habe man sich längst angepasst.

Stichwort High-Tech: Dem US-Chiphersteller AMD war der Standort Dresden seit 1996 mehr als 8 Milliarden Dollar an Investitionen wert. Sachsen gilt als wichtigster Halbleiterstandort in Deutschland. Inzwischen sind die beiden Werke dort in die neu geschaffene Firma Globalfoundries (Sunnyvale/Kalifornien) ausgelagert. Globalfoundries baut den Standort weiter aus, mit Investitionen von 2 Milliarden Dollar (etwa 1,59 Mrd. Euro) - und betrachtet Dresden als einen wichtigen Eckpfeiler.

Unter dem Strich sind US-Unternehmer mit dem Standort Deutschland zufrieden - auch wenn sich die Konjunktur infolge der Staatsschuldenkrise abschwächte und sich Prognosen bezüglich Umsatz, Beschäftigung und Investitionen als zu optimistisch entpuppten. „Über zwei Drittel der befragten US-Unternehmen sind genauso zufrieden wie im vergangenen Jahr“, resümiert AmCham im Business Barometer 2012.

So haben Negativschlagzeilen derzeit auch Seltenheitswert. Über den amerikanischen IBM-Konzern hieß es im Februar, dass Tausende Jobs in Deutschland auf der Kippe stünden. IBM dementierte die Berichte, wonach Freiberufler künftig einen Großteil der Arbeit hierzulande übernehmen sollten, um einem konzernweiten Sparprogramm genügezutun.

Doch auch ohne das Thema Stellenabbau hält manchmal alleine die weite Entfernung zwischen den USA und Deutschland Sprengstoff bereit. So sieht sich der Softwareriese SAP oft der Diskussion ausgesetzt, wie deutsch er eigentlich noch ist. Jüngst erhielt das Thema neue Nahrung, als die Walldorfer ihr Management erweiterten. Die Neuerung ermögliche es SAP „mehr globale Führungskräfte zu ernennen, die über größere Bereiche hinweg zur Steuerung des Unternehmens beitragen“. Die Konkurrenz der Walldorfer sitzt vor allem in den Staaten.

Doch Querelen dieser Art prägen nicht das Gesamtbild, wie das AmCham-Barometer ergibt. Demnach begeistern auch die „Qualität des Personals“, die „Marktgröße“ und die „Infrastruktur“ die US-Manager. Kritisch beurteilen sie hingegen neben der aktuellen Finanz- und Schuldenkrise vor allem Engpässe bei den Top-Qualifizierten, ein Übermaß an Bürokratie oder hohe Lohnkosten.

Dabei hat es nicht jedes US-Unternehmen so leicht wie die Autobauer oder die Fast-Food-Ketten, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Das gilt etwa für den Technologie-, Service- und Finanzriesen GE - immerhin in Sachen Umsatz die Nummer 5 der US-Unternehmen in Deutschland. Um auch Endverbraucher auf sich aufmerksam zu machen, startete das Unternehmen Ende 2011 in TV, Print und Online die Werbekampagne „Wir sind das GE in GErmany“ - und das mit stolzen 100 Jahren deutscher Geschichte im Rücken sowie mit 7000 Mitarbeitern an über 40 Standorten von Bayern bis Schleswig-Holstein. Die Message: GE werde weiter in Germany investieren - und dabei helfen, Deutschland grüner, gesünder und innovativer zu machen.

dpa

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