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Wirtschaft US-Behörde nimmt Banken in die Zange
Mehr Welt Wirtschaft US-Behörde nimmt Banken in die Zange
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21:36 04.09.2011
Den Bankern weht nun scharfer Gegenwind ins Gesicht. Quelle: dpa
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New York/Washington

Die US-Behörden lassen bei der Aufarbeitung des Hypothekencrash von 2008 nicht locker. Mehrere Verfahren gegen Banken laufen bereits, jetzt ist die Aufsichtsbehörde der beiden größten staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac vor das Bezirksgericht von Manhattan gezogen und hat 17 Banken auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt – darunter die Deutsche Bank, die Bank of America, Citigroup, JPMorgan Chase und Goldman Sachs.

Sie sollen laut Klageschrift der „Federal Housing Finance Agency“ (FHFA) für Schäden über insgesamt fast 200 Milliarden Dollar geradestehen. Ein Deutsche-Bank-Sprecher bezeichnete die Forderungen als haltlos: „Wir werden uns energisch dagegen zur Wehr setzen.“ Bei der Deutschen Bank geht es um Geschäfte im Wert von insgesamt 14,2 Milliarden Dollar (10 Milliarden Euro) aus den Jahren 2005 bis 2007.

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Noch bevor im Herbst 2008 der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman die weltweite Finanzkrise auslöste, hatte es massive Probleme auf dem US-Hypothekenmarkt gegeben. Dort hatten Kreditgeber die Finanzkraft von Immobilienkäufern offenbar auch systematisch überschätzt, um mehr Kredite zu vergeben. Im Regierungsauftrag nahmen die beiden Gesellschaften Fannie Mae und Freddy Mac den Banken Risiken ab, indem sie Wertpapier kauften, in denen jeweils Hunderte oder Tausende dieser Hypothekenforderungen gebündelt waren. So sollte es den Banken ermöglicht werden, neue Kredite zu vergeben – was wiederum den Immobilienmarkt ankurbelte.

Das System brach zusammen, als der Anstieg der Immobilienpreise stoppte und gleichzeitig die Zinsen stiegen. Immer mehr Hauskäufer waren überfordert und konnten ihre Kredite nicht mehr bedienen. „Fannie und Freddy“ verbuchten Milliardenverluste und mussten vom Staat gerettet werden.

Die FHFA wirft den Banken vor, falsche Angaben zu den verkauften Hypothekenpapieren gemacht zu haben. Die Kreditqualität sei beschönigt worden. Auch die Ratingagenturen stehen in der Kritik, weil die Papiere mit ihrem Siegel verkauft wurden. Allerdings wird auch der US-Regierung vorgeworfen, dass sie mit ihrer Strategie, möglichst vielen Amerikanern zum eigenen Haus zu verhelfen, die Fehlentwicklung gefördert habe.

Langsam laufen die Fristen ab, in denen die Banken zu belangen sind. Deshalb rollt derzeit eine regelrechte Klagewelle von Investoren über die USA hinweg, auch die Deutsche Bank ist bereits zuvor attackiert worden. So fühlt sich die französisch-belgische Finanzgruppe Dexia ebenfalls übers Ohr gehauen. Hier geht es um einen Hypotheken-Deal über 1 Milliarde Dollar.

Die Deutsche Bank weist den Vorwurf der Täuschung zurück und sieht die Käufer der Papiere in der Verantwortung. „Fannie und Freddie sind der Inbegriff eines erfahrenen Investors“, sagte der Konzernsprecher. „Die Kredite, von denen sie heute sagen, sie hätten nicht in den Angeboten sein dürften, seien oftmals handverlesen.“

Daniel Schnettler und Margret Chadbourn