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Wirtschaft Tricksen Hersteller bei der Lebenszeit von Produkten?
Mehr Welt Wirtschaft Tricksen Hersteller bei der Lebenszeit von Produkten?
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23:08 20.03.2013
Foto: Mehr kaputte Geräte auf Seiten der Verbraucher bedeuten mehr Umsatz für die Hersteller. Die Branche ist sich jedoch keiner Schuld bewusst.
Mehr kaputte Geräte auf Seiten der Verbraucher bedeuten mehr Umsatz für die Hersteller. Die Branche ist sich jedoch keiner Schuld bewusst. Quelle: dpa
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Berlin

Um welche Fälle geht es?
Kritiker hegen seit längerem den Verdacht, dass eine limitierte Lebenszeit von Produkten kein reiner Zufall sein könne - und halten den Herstellern geplante „Obsoleszenz“ vor, also ein beabsichtigtes Veralten von Druckern oder Waschmaschinen. Teils seien Bauteile von vornherein „funktionell unterdimensioniert“, wie eine Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion erläutert. Bekämen Handmixer etwa robustere Kunststoffzahnräder, könnten sie nicht nur drei Jahre durchhalten, sondern viel länger. „Produkte mit eingebautem Akku sind automatisch auf die Lebenszeit des Akkus selbst begrenzt“, sagt Studienautor Stefan Schridde, bei dessen Initiative „Murks? Nein danke!“ nach eigenen Angaben bereits 2000 Hinweise eingegangen sind.

Welche Folgen werden kritisiert?
„Die Leidtragenden sind die Verbraucher, die gezwungen sind, in immer kürzeren Abständen neue Produkte zu kaufen“, kritisiert die Studie. Dabei gehe es nicht nur um die Konstruktion. So meldeten Tintenstrahldruckern nach gewisser Ausdrucke-Menge Wartungsbedarf an, obwohl sie nach Zurückstellen des Zählers dann doch funktionierten. Andere Geräte hätten sehr empfindliche Oberflächen, die sie rasch älter aussehen ließen. Daraus resultierten „immense Müllberge“, die zu fatalen Umwelt- und Gesundheitsproblemen führten, sagt die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Dorothea Steiner.

Welche Gegenmaßnahmen werden gefordert?
„Das ist ja kein Naturgesetz, dass Schrottteile verbaut werden, die dann zu einem schnellen Ableben von Produkten führen“, sagt die Grünen-Verbraucherexpertin Nicole Maisch. Beim Gewährleistungsrecht sei daher zu überlegen, ob Hersteller die Benutzbarkeit für länger als die bisherigen zwei Jahre garantieren müssten. Studien-Autor Schridde sagt, Kunden sollten sich schriftlich bestätigen lassen, dass Ersatzteile mindestens noch fünf Jahre zu haben sind. Inwiefern absichtlich eingebaute Schwachstellen ein Massenphänomen sind, ist aber umstritten. Beim Bundesverbraucherministerium sind keine nachgewiesenen Fälle bekannt, wie eine Sprecherin sagt.

Was sagen die Hersteller?
Die Branche weist die Vorwürfe zurück. „Qualität ist ein sehr wichtiges Kaufkriterium, und sie beeinflusst stark die Markentreue“, sagt Werner Scholz, zuständiger Geschäftsführer im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). „Ein Verbraucher, dessen Waschmaschine schon nach relativ kurzer Zeit kaputt geht, wird das nächste Gerät sicherlich von einem anderen Hersteller kaufen.“ Im Wettbewerb könne sich das keiner leisten. Überhaupt seien Mixer und Co. sogar langlebig. Von 180 Millionen Elektro-Geräten in deutschen Haushalten seien 75 Millionen älter als zehn Jahre und 31 Millionen seit 14 Jahren oder länger im Einsatz.