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Wirtschaft Transnet warnt vor massivem Stellenabbau bei der Bahn
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21:38 04.09.2009
Stillstand auf den Gleisen: Der Güterverkehr soll von massivem Jobabbau bei der Deutschen Bahn betroffen sein. Quelle: ddp
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Wegen der Wirtschaftskrise sind nach Gewerkschaftsangaben bis zu 7000 Arbeitsplätze im Güterverkehr der Deutschen Bahn gefährdet. Die Gewerkschaft Transnet warnte am Freitag vor einem „Kahlschlag“ bei DB Schenker Rail. Außerdem sollten Frachtbahnhöfe geschlossen werden. Wo genau Arbeitsplätze und sogenannte Güterverkehrsstellen zur Disposition stehen, konnte ein Transnet-Sprecher allerdings nicht sagen.

Das Unternehmen wies die Angaben zurück: Es gebe keine Streichliste zum Abbau Tausender Arbeitsplätze im Schienengüterverkehr, betonte die Bahn. „Betriebsbedingte Kündigungen wird es ohnehin nicht geben, da bis Ende 2010 ein Beschäftigungsbündnis gilt.“ Über eine Fortschreibung des Paktes wolle man demnächst mit den Gewerkschaften verhandeln.

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Der neue Konzernchef Rüdiger Grube steht wegen der schwachen Konjunktur unter Druck und muss die Kosten senken. Der Güterverkehr auf der Schiene ist im ersten Halbjahr um ein Viertel geschrumpft – so stark wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Rund 8000 der 24 000 Beschäftigten der Güterbahnsparte arbeiten kurz. Man rechnet damit, dass die Zahl der Kurzarbeiter bis zum Jahresende auf 10 000 steigen könnte.

Nun steht Grubes erster heftige Konflikt mit den Bahn-Gewerkschaften bevor. Schon die Tatsache, dass die angeblichen Streichpläne vor der für kommenden Mittwoch anberaumten Aufsichtsratssitzung in die Öffentlichkeit drangen, zeigt die angespannte Lage. Dem Vernehmen nach wollen sich Grube und der neue Chef von DB Schenker Rail, Alexander Hedderich, am Montag mit Gewerkschaftsvertretern zu Gesprächen treffen.

Eine rasche Einigung ist nicht zu erwarten. Bisher lehnt Transnet größere Einschnitte ab. Nach Informationen der Gewerkschaft könnte jede vierte Stelle bei der Güterbahn wegfallen. Die Beschäftigten könnten dann im internen Arbeitsmarkt des Konzerns unterkommen. In anderen Geschäftsbereichen des Unternehmens wie im Personenverkehr seien zum Teil Stellen frei, heißt es bei der Bahn. Transnet warnte davor, Güterverkehrsstellen in der Fläche zu schließen und ganze Regionen vom Schienengüterverkehr abzukoppeln „Ein solches Vorgehen wäre eine Katastrophe für den Schienengüterverkehr in Deutschland und Europa“, sagte der stellvertretende Transnet-Chef Wolfgang Zell. Der langfristige Verlust von Verkehr auf der Schiene wäre die Folge. „Insgesamt würde der umweltfreundlichste Verkehrsträger wieder Marktanteile verlieren.“ Die Bahn ist mit ihrer Tochter Schenker allerdings auch der größte Spediteur auf Europas Straßen und könnte zumindest Fracht für den Einzelwagenverkehr auch per Lastwagen befördern.

Schon mit dem Sparprogramm „Mora C“ hatte der frühere Bahn-Chef Hartmut Mehdorn eine solche Strategie verfolgt. Mit dem neuen Programm „Re-act“ wolle der Konzern dies offenbar fortsetzen, heißt es bei Transnet. Mit dem vor einigen Monaten angekündigten Sparprogramm will Grube die Kosten im Konzern um 2 Milliarden Euro verringern.

Sollten die Verhandlungen über eine Fortsetzung des Beschäftigungsbündnisses platzen, könnte ein Kostenschub auf das Unternehmen zukommen. Die Belegschaft hat als Gegenleistung für die Sicherheit der Arbeitsplätze auf Lohnzuschläge verzichtet, die dann eingefordert werden könnten.

Unterdessen forderte die Verkehrsgewerkschaft GDBA die Bahn auf, zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrats ein tragfähiges Konzept für den Güterverkehr vorzulegen. „Wir erwarten konkrete Vorschläge, die auch den Mitarbeitern eine Perspektive bieten“, sagte GDBA-Vorstandsmitglied Gerfried Scholtz. Arbeitsplatzabbau und Kahlschlag seien „keine wirkliche Lösung“.

Von Thomas Wüpper und Dirk Stelzl