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Wirtschaft Tiefensee befürchtet Stillstand im Güterverkehr
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17:36 18.07.2009
Trauerfeier für die 13 italienischen Opfer des Zugunglücks in Viareggio. Insgesamt wurden dabei 28 Menschen getötet. Quelle: Fabio Muzzi/afp
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Er habe das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) in einem Brief daher darum gebeten, trotz der notwendigen Überprüfungen einen Stillstand von Europas Güterbahnen zu vermeiden, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ von Samstag. Der Minister geht demnach davon aus, dass die Bahnbetreiber wegen des Güterzugunglücks von Ende Juni mit drastischen Auflagen und Einschränkungen rechnen müssen.

Die Zeitung zitierte aus dem Schreiben Tiefensees, der Minister sei besorgt darüber, in welchem Zustand sich ein großer Teil der Güterwagenflotte in der Europäischen Union befinde. Er unterstütze das EBA daher bei dessen Bemühungen, für mehr Sicherheit im Güterverkehr zu sorgen. Die Behörde solle nach Lösungen suchen, „ohne gleichzeitig den gesamten Schienengüterverkehr in Europa faktisch lahmzulegen“.

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Auch die Deutsche Bahn befürchtet der „SZ“-Bericht zufolge, mit den Kontrolle könne „europaweit der komplette Güterverkehr lahmgelegt“ werden. Bei Güterwaggons seien die Kontrollen der Achsen oftmals aufwendiger als bei Personenzügen. Auch das Netzwerk Privatbahnen wandte sich demnach gegen “übertriebene Reaktionen“, die der Branche schwer schaden könnten.

Das EBA, das dem Verkehrsministerium unterstellt ist, überwacht den Bahnverkehr in Deutschland. Nach dem Unglück im italienischen Viareggio hat die Bonner Behörde alle Eisenbahnunternehmen in Deutschland angewiesen, zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen zu prüfen. Das EBA verweist laut „SZ“ darauf hin, dass dem Unglück in Italien bereits etliche Vorfälle vorausgegangen seien. Nach Angaben der Bonner Behörde waren demnach von 2004 bis 2009 bei acht Güterwagen die Radsatzwellen gebrochen. Das EBA habe daraufhin erste Maßnahmen verfügt und erwäge nun weitere Auflagen.

Am 29. Juni war aufgrund eines Achsbruchs ein Güterzug in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs von Viareggio in der Toskana entgleist. Einer der mit Flüssiggas gefüllten Tankwaggons explodierte. Die Explosion und der anschließende Großbrand richteten im Zentrum der Stadt schwere Verwüstungen an. Zwölf Menschen starben sofort, 16 weitere erlagen später in Krankenhäusern ihren Verletzungen. Rund tausend Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

afp