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Wirtschaft ThyssenKrupp-Chefaufseher Cromme: „Wir haben zu lange vertraut“
Mehr Welt Wirtschaft ThyssenKrupp-Chefaufseher Cromme: „Wir haben zu lange vertraut“
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14:40 18.01.2013
ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme spricht auf der Hauptversammlung zu den Aktionären. Quelle: dpa
Bochum

Angesichts der Milliardenverluste beim Stahlriesen ThyssenKrupp gesteht Chefkontrolleur Gerhard Cromme eine Mitverantwortung des Aufsichtsrates ein. „Ja, wir haben zu lange vertraut, wir hätten früher handeln können“, sagte Cromme am Freitag bei der Hauptversammlung des größten deutschen Stahlunternehmens in Bochum. Allerdings habe der Aufsichtsrat immer dann, wenn entsprechende Fakten dies ermöglicht hätten, konsequent gehandelt. „Wir haben die Kraft gehabt, Fehler zu erkennen, zu korrigieren und die Weichen für die Zukunft zu stellen“, sagte Cromme.
Aktionäre bezeichneten die Lage des Konzerns als Desaster. Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, nannte das derzeitige Bild des Konzerns verheerend. Viele Aktionäre seien entsetzt. Ein anderer Aktionärssprecher beantragte vergeblich die Abwahl Crommes als Versammlungsleiter.

Cromme kündigte unter Beifall von Aktionären an, der Aufsichtsrat werde für 2011/12 nachträglich auf die Hälfte seiner Vergütung verzichten. Das bezeichnete er als Geste der Betroffenheit und Solidarität mit den Anteilseignern des Konzerns. Im Geschäftsjahr 2011/2012 hatte die feste Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder bei insgesamt rund 1,4 Millionen Euro gelegen. 200.000 Euro davon waren an den Aufsichtsratsvorsitzenden gegangen.

Zu den Milliardenverlusten im Zusammenhang mit Stahlwerken in Übersee sagte Cromme, es sei trotz aller Anstrengungen in der Vergangenheit nicht gelungen, Fehlentwicklungen zu verhindern. „Rechtlich korrekte Entscheidungen bedeuten nicht zwangsläufig auch gute unternehmerische Entscheidungen.“ Massive Probleme bei den Stahlwerken in den USA und in Brasilien hatten ThyssenKrupp im zurückliegenden Geschäftsjahr mit einem Verlust von fünf Milliarden Euro tief in die roten Zahlen gestürzt.

Vor dem Hintergrund von Kartell- und Korruptionsfällen betonte Cromme, dass derartige Verstöße vom Aufsichtsrat „mit Nachdruck“ verurteilt werden. Bereits vor Beginn der Veranstaltung hatte sich der Chef der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, im Blitzlichtgewitter mit einer demonstrativen Geste hinter den Aufsichtsratsvorsitzenden gestellt.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger zeigte sich zuversichtlich, den geplanten Verkauf der Stahlwerke des Konzerns in Brasilien und den USA bis zum Herbst abschließen zu können. Der Verkauf gehe voran. Bei den Stahlwerken handele es sich um die „größte Baustelle“ des Konzerns.

„Alle Weichen sind gestellt, damit wir künftig schlanker, schneller, effizienter und profitabler sind.“ Bereits im Oktober dieses Jahres werde der Konzern in einer neuen Struktur arbeiten, kündigte der Vorstandschef an. Mit der Neuordnung im Vorstand habe das Unternehmen bereits den Anfang gemacht. Nach dem Ausscheiden von drei Vorstandsmitgliedern sei nicht geplant, den Vorstand wieder auf sechs Mitglieder aufzustocken.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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