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20:44 24.10.2013
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Berlin

 Zwölf Stunden tagte der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) unter Vorsitz des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit (SPD). Danach war zumindest der seit Monaten währende Machtkampf der führenden Manager mit einem Paukenschlag beendet. Technikchef Horst Amann, erst vor gut einem Jahr als Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen nach Berlin gekommen, wird zu einer Tochterfirma versetzt.

Damit hat sich Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn durchgesetzt, der Amanns Ablösung gefordert und vom Aufsichtsrat auch zugesagt bekommen hatte. Der frühere Bahnchef war nach seinem Amtsantritt Anfang des Jahres rasch mit Amann aneinandergeraten und hatte mit dem Sanierungsprogramm „Sprint“ wichtige Aufgaben an sich gezogen. Wegen der geplanten kleinen Teileröffnung im nächsten Jahr, von der Amann wenig hält, eskalierte der Zwist. Wowereit sprach von einer Trennung im „gegenseitigen Einvernehmen“. In der Pressemitteilung fehlt jedoch jegliche Danksagung an Amann.

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Als Geschäftsführer der Tochter Flughafen Energie und Wasser GmbH bleibt Amann aber an Bord. Durch die Weiterbeschäftigung spart die FBB eine Abfindung in Millionenhöhe, die beim Rauswurf Amanns fällig gewesen wäre. Vor ihm mussten bereits die Geschäftsführer Rainer Schwarz und Manfred Körtgen gehen, die als zwei Verantwortliche für das Kosten- und Termindebakel beim Hauptstadt-Flughafen BER gelten.

Derweil wird eine Eröffnung des neuen Flughafens vor Herbst 2015 immer unwahrscheinlicher. Das wäre mehr als drei Jahre später als zuletzt geplant. Der Start musste bereits viermal verschoben werden, was das Pannenprojekt über Deutschland hinaus zur Lachnummer machte.
Die FBB, die für die Flughäfen in Berlin zuständig ist, gehört dem Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg. Im Aufsichtsrat sitzen führende Politiker und Beamte. Wer das Kontrollgremium künftig führen soll, ist seit dem Rücktritt von Matthias Platzeck unklar. Wowereit, der zuvor Aufsichtsratschef war und wegen des Termindebakels den Vorsitz abgegeben hatte, hat das Amt jetzt kommissarisch inne. In der Sitzung wurde er als Stellvertreter bestätigt. Der neue Ministerpräsident Brandenburgs, Dietmar Woidke (SPD), lehnte ab, Platzecks Nachfolge bei dem Pannenprojekt anzutreten. Nun soll eine Entscheidung erst nach der Regierungsbildung im Bund fallen.
Ein neuer Starttermin für den BER soll laut Wowereit erst genannt werden, wenn sicher sei, dass nichts mehr schiefgehen könne. Die Gesamtkosten des BER werden inzwischen auf über 5 Milliarden Euro taxiert. Bisher waren 4,3 Milliarden Euro angegeben worden, mehr als doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt.

Von Thomas Wüpper

24.10.2013
24.10.2013
Lars Ruzic 26.10.2013