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Wirtschaft Tchibo, Melitta und Dallmayr müssen Millionen-Kartellstrafe zahlen
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21:09 21.12.2009
Von Alexander Dahl
Das Bußgeld für Tchibo, Melitta und Dallmayr beträgt rund 160 Millionen Euro.
Das Bußgeld für Tchibo, Melitta und Dallmayr beträgt rund 160 Millionen Euro. Quelle: Wilde (Archiv)
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Das Bundeskartellamt hat drei deutsche Kaffeeröster ins Visier genommen: Wegen langjähriger illegaler Preisabsprachen wurde gestern gegen Tchibo (Hamburg), Melitta (Bremen) und Dallmayr (München) eine Geldbuße von insgesamt 159,5 Millionen Euro verhängt.

Nach den Ermittlungen der Bonner Behörde bestand zwischen 2000 und Juli 2008, als die Unternehmen von Ermittlungsbeamten durchsucht wurden, ein „Gesprächskreis“, dem Geschäftsführer und Vertriebsleiter angehörten. Ziel sei gewesen, bei Röstkaffeeprodukten, wie gemahlenem Filterkaffee, ganzen Bohnen oder Kaffeepads, „Höhe, Umfang und Zeitpunkt der Bekanntgabe sowie das Inkraftreten von Preiserhöhungen abzusprechen“, so das Kartellamt.

Allein in den Jahren 2003 bis 2008 konnte das Geheimkartell fünf Preiserhöhungen im Markt durchsetzen. Für den Verbraucher etwa verteuerte sich der Kaffee durch die abgesprochenen Preisanhebungen im Dezember 2004 und April 2005 um durchschnittlich einen Euro je 500-Gramm-Packung. Der deutsche Kaffee-Verband hatte die Erhöhungen damals als „überfällig“ bezeichnet und mit deutlich gestiegenen Einkaufspreisen für Rohkaffee begründet.

Die Tatsache, dass die Kaffeepreise zwischen 2000 und Sommer 2004 einbrachen, ist für das Bundeskartellamt kein Beleg dafür, dass Preisabsprachen nicht funktionierten. „Ohne Kartell wäre der Preisverfall wohl noch heftiger gewesen“, sagte ein Sprecher gegenüber dieser Zeitung.

Das verhängte Bußgeld spiegelt nach den Worten der Bonner Behörde nicht die Mehreinnahmen wieder, die durch die Preisabsprachen erzielt wurden. Dieser Mehrerlös ist seit einer Gesetzesänderung 2005 nicht mehr von Bedeutung, vielmehr richtet sich das Bußgeld nach Schwere und Zeitdauer der Tat. „Und die war hier sehr hoch; das Bußgeld ist angemessen“, so der Kartellamtssprecher. Melitta äußerte gestern „erhebliche verfassungsrechtliche Zweifel an der Bußgeldnorm“ und wird deshalb Einspruch beim zuständigen Oberlandesgericht Düsseldorf einlegen. Dallmayr erklärte, die Geldbuße sei völlig überzogen; Tchibo äußerte sich nicht.

Die Bundesbehörde war nach Hinweisen aus der Branche dem Kaffeekartell auf die Spur gekommen und konnte einen Kronzeugen befragen. Die drei Firmen beherrschen etwa 50 Prozent des deutschen Kaffeemarktes. Weitere Groß-anbieter sind der Kraft-Konzern (Jacobs, 25 Prozent) und Aldi (15 Prozent).

Zusätzlich ermittelt das Bundeskartellamt noch gegen weitere Röster, die Preise für Gastronomiekaffee oder Cappuccino abgesprochen haben sollen. Ergebnisse dazu soll es erst 2010 geben.