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Wirtschaft Tausche Tango gegen 73 Millionen Euro
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06:15 20.08.2012
Friede Springer und Mathias Döpfner sind ein eingespieltes Paar an der Konzernspitze. Quelle: dpa
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Berlin

Verlegerin Friede Springer hat sich zu ihrem 70. Geburtstag großzügig gezeigt: Sie schenkt Döpfner Springer-Aktien im Wert von fast 73 Millionen Euro. Damit steigt sein Anteil am Grundkapital auf 3,26 Prozent.

Nicht nur die Riesenschenkung, auch der Zeitpunkt der Bekanntgabe überraschte die Öffentlichkeit. Erst am Freitag teilte der Konzern in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit, dass die schwerreiche Mehrheitsaktionärin exakt 1978800 Aktien kostenlos an Döpfner übergeben hat. Die Transaktion wurde demnach bereits am vorigen Dienstag abgewickelt - einen Tag vor ihrem Geburtstag.

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Nun rätselt nicht nur die Medienbranche über die Beweggründe der Witwe, die den 1985 verstorbenen Verlagsgründer Axel Springer beerbt hat und einst als Kindermädchen in dessen Haushalt kam. Allgemein bekannt ist, dass Friede Springer und Döpfner auch als Villennachbarn in Potsdam seit vielen Jahren ein enges Verhältnis pflegen, das die atemberaubende Karriere des früheren Journalisten kräftig befördert hat.

Wie nahe sich der Vorstandschef und die Vizechefin des Aufsichtsrats stehen, kam auch beim großen Geburtstagsempfang vorigen Mittwoch zum Ausdruck. Neben Kanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit kamen dazu zahlreiche weitere Prominente in die Konzernzentrale in Berlins Mitte. Döpfner selbst schenkte Friede Springer einen Tangokurs mit den Worten: „It takes two to tango. I am your partner.“ („Es braucht zwei für einen Tango - ich bin Ihr Partner.“) Allerdings soll er, so berichten Teilnehmer, hinzu gefügt haben, das er die Verlagserbin nie mehr selbst zum Tanz auffordern werde, nachdem vor Jahren ein Testlauf bei einer gemeinsamen Reise in der Ukraine gescheitert sei.

Die Nähe zur mächtigen Großaktionärin hat dem eloquenten Zwei-Meter-Mann gewiss nicht geschadet. Im lange Zeit von heftigen Grabenkämpfen durchgeschüttelten Hause Springer legte der promovierte Musikwissenschaftler eine Blitzkarriere hin wie kein Konzernchef vor ihm. In nur vier Jahren stieg der Manager, der gerne Nadelstreifen trägt, vom Chefredakteur des defizitären Verlags-Flaggschiffs „Die Welt“ zum Vorstandsvorsitzenden auf. Mit nur 38 Jahren übernahm Döpfner den Chefsessel.

Manche sagen, Friede Springer sehe in ihm die Inkarnation ihres verstorbenen Mannes. Trotz teurer Fehlschläge hielt sie zu ihm - wohl auch, weil er beim Streit mit dem ehemaligen Großaktionär Leo Kirch taktisch klug agierte. „Ich weiß nicht, ob ich das alleine geschafft hätte“, sagte die Verlagserbin in ihrer Rede zum 70. Geburtstag.

Thomas Wüpper

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