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Wirtschaft Talanx zögert bei Börsengang
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20:28 18.06.2012
Von Albrecht Scheuermann
Geht Talanx dieses Jahr an die Börse? Solange die Märkte unter Schuldenkrise ächzen, gilt dies als unwahrscheinlich. Quelle: Symbolfoto
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Hannover

Nach der Absage des Börsengangs des Chemiekonzerns Evonik wachsen auch die Zweifel an einer entsprechenden Aktion des hannoversche Versicherungskonzerns Talanx in nächster Zeit. Dieser hat die Vorbereitungen dafür zwar weitgehend abgeschlossen, aber die Schuldenkrise könnte nun einen Strich durch die Rechnung machen. Damit würde einer der am längsten angekündigten Börsengänge erneut auf die lange Bank geschoben. Ein Talanx-Sprecher erklärte am Montag lediglich: „Wir beobachten die Märkte, eine Entscheidung ist noch nicht getroffen.“

Das Kuratorium des Haupteigentümers RAG-Stiftung hatte am Montag entschieden, die Vorbereitungen von Evonik für den Börsengang abzubrechen. Es hätten zwar viele große Investoren Interesse bekundet, aber wegen der hohen Unsicherheit der Märkte sei der erzielbare Preis zu weit von einer angemessenen Bewertung der Evonik entfernt, teilte die Stiftung mit.

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Evonik galt bislang als der größte Kandidat für einen Börsengang in diesem Jahr, also einen erstmaligen öffentlichen Verkauf von Aktien. Auch Talanx steht in der Rangliste angepeilter Börsengänge weit oben. Erst im März hatte Konzernchef Herbert K. Haas anlässlich der  Bilanzpressekonferenz erklärt, dass er die Bedingungen für eine solchen Schritt des drittgrößten deutschen Versicherungskonzerns für günstig erachte. „Ich trage eine grüne Krawatte, das ist die Farbe der Hoffnung“, hatte Haas zu den Chancen einer solchen Aktion erklärt.

Das Unternehmen hat mit den Vorbereitungen schon vor Jahren begonnen. So wurde eine „Investor-Relations-Abteilung“ aufgebaut und ein Experte der Deutschen Bank als ihr Chef gewonnen. Talanx engagierte zudem als Berater die Privatbank Rothschild. Auch das für den Aktienverkauf zuständige Bankkonsortium ist nach unbestätigten Informationen schon gebildet worden – mit der Deutschen Bank als Konsortialführer sowie den US-Banken JPMorgan und Citi.

Talanx will nach früheren Angaben etwa eine Milliarde Euro durch den Aktienverkauf erlösen. Im März hatte Haas auch erklärt, dass man das Geld gut gebrauchen könne. Talanx hatte eine teure Übernahme in Polen mit Bankkrediten finanziert, diese wolle man zurückführen. Der Talanx-Sprecher betonte am Montag, dass das Unternehmen nie einen Termin für den Börsengang genannt habe. „Deswegen müssen wir auch nichts absagen.“ Im Übrigen habe Talanx keine Eile bei der Geldbeschaffung. „Nichts drängt uns“, hieß es. Zudem könne sich die Situation an den Märkten auch schnell zum Besseren wenden.

Sollte der Talanx-Börsengang auch in diesem Jahr nicht stattfinden, würde damit eine lange Tradition fortgesetzt. Erstmals hatte der frühere Chef des damals noch HDI heißenden Konzerns, Wolf-Dieter Baumgartl, die Möglichkeit eines Börsengangs im Jahr 1996 öffentlich geäußert. Seitdem wurde ein solcher Schritt immer mal wieder in Aussicht gestellt, um dann doch auf spätere Jahre verschoben zu werden. Mal kam ein Börsenkrach dazwischen, mal verhagelten Naturkatastrophen die Bilanz, mal machte eine langwierige Umstrukturierung den Plan hinfällig.

Haas hatte auch jetzt wieder ausdrücklich betont, dass eine weitere Verschiebung durchaus möglich bleibe. Der Talanx-Vorstand habe eine dicke Haut, was die möglichen öffentlichen Reaktionen darauf angehe.

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