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Wirtschaft Talanx will Privatkundengeschäft mit Personalabbau sanieren
Mehr Welt Wirtschaft Talanx will Privatkundengeschäft mit Personalabbau sanieren
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20:54 23.05.2011
Von Albrecht Scheuermann
Talanx-Chef Herbert K. Haas (Vierter von rechts) präsentierte umrahmt von seinen Vorstandskollegen die insgesamt wenig erbaulichen Geschäftszahlen. Quelle: dpa
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„Ob 200 oder 1200 Arbeitsplätze wegfallen, kann man noch nicht seriös sagen.“

Von den weltweit 18.000 Mitarbeitern arbeiten etwa 6100 in dem Bereich, der vor allem unter der Hauptmarke HDI Gerling das Geschäft mit Privatkunden und kleinen Firmenkunden in Deutschland betreibt. Davon sind knapp 1000 in Hannover und 1800 in Köln. Der Rest verteilt sich auf zwei weitere Standorte in Hamburg und Hilden sowie ein aus elf Niederlassungen bestehendes HDI-Gerling-Filialnetz.

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Nach Angaben des für das Geschäft zuständigen Vorstandsmitglieds Heinz-Peter Roß ergibt sich die Größenordnung von 245 Millionen Euro aus einem Kostenvergleich mit den Wettbewerben. Um auf das Marktniveau zu kommen, müssten die Kosten im deutschen Privatkundengeschäft um 25 Prozent gedrückt werden.

Haas räumte ein, dass man nach der Übernahme von Gerling im Jahr 2006 die Zügel zu lange schleifen ließ. „Die Synergien sind nicht frühzeitig und entschieden genug angegangen und gehoben worden, insbesondere in der Lebensversicherung.“ Ein enormes Manko sei die zersplitterte Informationstechnologie mit sechs unterschiedlichen Systemen. Hier komme die Integration jetzt jedoch voran, die Systeme sollen nach Angaben von Vorstandsmitglied Thomas Noth noch in diesem Jahr vereinheitlicht sein.

Fusionsbedingt sei das Unternehmen auch im Kundenservice in Rückstand geraten, räumte Haas ein. Erschwerend komme hinzu, dass die Konkurrenz beim Kostenabbau Fortschritte mache. „Die Welt dreht sich weiter“, sagte Haas.
Trotz der erheblichen Integrationsprobleme will der Talanx-Chef die Übernahme von Gerling nicht als Fehlentscheidung gewertet wissen. In der Industrieversicherung habe die Übernahme einen „Quantensprung“ gebracht. Dagegen sei schon damals klar gewesen, dass das Privatkundengeschäft nicht die große Stärke von Gerling gewesen sei. „Und die Gerling Lebensversicherung ist eine dürrere Kuh, als wir vorher gedacht haben“, räumte Haas ein. „Wir würden Gerling gleichwohl vorbehaltlos wieder übernehmen“, fügte der Konzernchef hinzu.

Bei den angestrebten Kostenersparnissen steht neben den IT-Systemen das Niederlassungsnetz mit mehr als 2000 Beschäftigten im Fokus. Zudem dürften bestimmte Doppelfunktionen in Köln und Hannover nicht überleben. Auch in Arbeitnehmerkreisen gilt es als unstrittig, dass die Kosten reduziert werden müssen. Die Betriebsräte sollen von Anfang an in die Entscheidungen einbezogen werden, um mögliche Widerstände von vornherein zu minimieren.