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Wirtschaft TÜV Nord rasiert Bildungssparte
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13:54 21.05.2011
Von Lars Ruzic
TÜV-Nord-Chef Guido Rettig kann im Bereich Elektroautos Gas geben, muss dagegen aber die Bildungssparte des TÜVs sanieren. Quelle: Michael Thomas
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Außerdem muss jedes zweite der 40 vor allem im Ruhrgebiet beheimateten Bildungszentren schließen. Die Sparpläne aus Berlin seien völlig überraschend gekommen, monierte TÜV-Nord-Chef Guido Rettig am Freitag bei der Bilanzvorlage in Hannover.„So kann man mit einer Branche nicht umgehen.“ Die Opposition sieht die Maßnahmen beim TÜV Nord nur als Spitze des Eisbergs und bundesweit 40 000 Jobs bedroht.

Erst im vergangenen Sommer war der TÜV Nord mit der Übernahme der RAG Bildung in die Spitzengruppe der Branche vorgestoßen. Dass er sich schon jetzt mit so harten Einschnitten beschäftigen müsse, mache ihn „sauer“, räumte Rettig ein. Vorgesehen sei, alle Befristungen auslaufen zu lassen, was etwa die Hälfte des Jobabbaus ausmachen dürfte, darüber hinaus werde nun mit der Arbeitnehmerseite über Sozialpläne und betriebsbedingte Kündigungen zu reden sein. Zu den Betroffenen gehören viele Lehrer und Meister. Rettig rechnet damit, dass die Sanierung den Konzern maximal 18 Millionen Euro kosten wird.

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Auf einen Abbau stellt sich der TÜV Nord auch im Bereich der Prüfung von Kernkraftwerken ein. Immerhin zeichne sich hier nach der Energiewende der Bundesregierung eine gewisse Planbarkeit ab, so der Konzernchef. Wenn die Atommeiler nach und nach vom Netz gingen, würde entsprechend auch die Zahl der Anlagenprüfer verringert, die vor allem in Hamburg säßen. Rettig rechnet mit 50 bis 60 Mitarbeitern, für die es im Konzern aber neue Aufgaben geben dürfte. Insgesamt beschäftigt der TÜV Nord im Kernkraftsegment gut 600 Mitarbeiter – das Gros ist auf Atommüll-Lagerstätten und den Strahlenschutz spezialisiert und sitzt in der hannoverschen Zentrale.

Die Energiewende hat Deutschlands drittgrößter TÜV für sich ohnehin bereits vollzogen. Bei der Prüfung von Windenergieanlagen habe man im vergangenen Jahr um 20 Prozent zulegen können, bei der Kontrolle von Biogasanlagen sei der Konzern inzwischen Marktführer. Der Windbereich könne zudem noch durch „die eine oder andere Übernahme“ wachsen, sagte der Vorstandschef. Unverändert sucht Rettig zudem Kaufobjekte im Bereich der Flugzeugprüfung und in der IT.

Für die Herausforderung der Elektromobilität habe man inzwischen alle relevanten Bereiche in einer „Taskforce“ zusammengeführt. Der Konzern baut zudem eine eigene Flotte auf, mit der man praktische Erfahrungen sammeln will. Eine Teilnahme am hannoverschen Projekt mit E-Caddys war offenbar am Widerstand von Volkswagen gescheitert.