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Wirtschaft TUI will schnell in ruhige See
Mehr Welt Wirtschaft TUI will schnell in ruhige See
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19:13 15.12.2009
Von Jens Heitmann
Quelle: ddp
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Nach dem Auslaufen der Halteverpflichtung im kommenden Frühjahr werde man nach einem Käufer für das Aktienpaket von rund 43 Prozent suchen, sagte Vorstandschef Michael Frenzel am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz für das Rumpfgeschäftsjahr 2009 (31. 10.).

Die TUI hatte die Mehrheit der Containerlinie vor einem Jahr an das Hamburger Konsortium „Albert Ballin“ verkauft, an dem neben Banken und Versicherungen auch die Hansestadt und der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne beteiligt sind. Der Unternehmenswert von Hapag-Lloyd wurde damals einschließlich Schulden mit 4,45 Milliarden Euro taxiert. Die TUI kann für ihre Anteile ab 2010 andere Interessenten suchen, wenn das Konsortium von seinem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch macht. Im Jahr 2012 müsse „Albert Ballin“ das Paket laut Vertrag zum Preis von 910 Millionen Euro übernehmen, hieß es.

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Bei der TUI gibt es jedoch erhebliche Zweifel daran, ob die Partner aus Hamburg ihren Verpflichtungen nachkommen werden. „Wir können noch keinen Preiszettel an Hapag-Lloyd heften“, erklärte der im Februar ausscheidende Finanzvorstand Rainer Feuerhake. „Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Kaufpreises und der Schnelligkeit des Ausstiegs.“

Die Hoffnung auf einen Investor speist sich bei der TUI aus den ersten Anzeichen für eine Erholung der Schifffahrtsbranche. Die Frachtraten hätte wieder angezogen, parallel beginne das Sparprogramm bei Hapag-Lloyd zu greifen, sagte Frenzel. In den ersten neun Monaten dieses Jahres war der Umsatz um 29 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro eingebrochen, das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) stürzte von plus 212 auf minus 675 Millionen ab.

Um die Reederei zu stützen, hat die TUI mittlerweile Darlehen von 2,5 Milliarden Euro gewährt. Ohne die zusätzliche Staatsbürgschaft von 1,2 Milliarden Euro „wäre eine Insolvenz wahrscheinlich unvermeidbar gewesen“, sagte Frenzel. Der Untergang der Reederei hätte die TUI jedoch nicht mit in die Tiefe gerissen: „Wir waren zu keinem Zeitpunkt in der Situation, dass uns die Hapag-Lloyd umgebracht hätte.“

Finanzchef Feuerhake hofft inzwischen darauf, dass Hapag-Lloyd die gewährte Staatsbürgschaft entweder gar nicht oder nur in geringem Maße in Anspruch nehmen müsse. So sei es der Reederei unter anderem gelungen, ein Dutzend bei koreanischen Werften bestellte Neubauten um ein halbes Jahr nach hinten zu verschieben. Sobald sich der Markt erhole, sei auch damit die Grundlage für stark steigende Einnahmen gelegt. „Containerlinien sind nicht auf ewig wertlos“, sagte Feuerhake. „Mit den Erträgen werden die Werte wieder kommen.“