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Wirtschaft TUI lässt erneut Dividende ausfallen
Mehr Welt Wirtschaft TUI lässt erneut Dividende ausfallen
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19:48 14.12.2010
Von Jens Heitmann
TUI-Chef Michael Frenzel blickt zufrieden auf das vergangene Geschäftsjahr zurück. Quelle: dpa
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Die TUI-Aktionäre gehen ein weiteres Mal leer aus. Auch für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr 2009/10 schüttet der Konzern keine Dividende aus. Vorstandschef Michael Frenzel begründete die Nullrunde damit, dass bei der TUI derzeit „die Stärkung der Finanzbasis im Vordergrund steht“. Man wolle zunächst die Verschuldung verringern und die Noten bei den Rating-Agenturen verbessern, sagte er bei der Bilanzvorlage am Dienstag in Hannover: „Ziel ist es aber, sobald wie möglich zur Dividendenfähigkeit zurückzukehren.“

Unter dem Strich hat der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr 114 Millionen Euro verdient – ein Minus von 45 Prozent im Vergleich zum Vergleichszeitraum. Seinerzeit hatte allerdings auch der Buchgewinn aus dem Verkauf der Mehrheitsanteile an der Reederei Hapag-Lloyd die Bilanz aufgehübscht. Der Umsatz ging um knapp 2 Prozent auf 16,35 Milliarden Euro zurück.

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Bei der TUI möchte man sich jedoch nicht in erster Linie am Überschuss messen lassen – die vom Vorstand bevorzugte Vergleichsgröße ist das sogenannte bereinigte Ergebnis der Touristiksparte, „da es die operative Stärke unseres Geschäfts am besten widerspiegelt“, wie Frenzel sagte. Hier verzeichnete der Konzern ein Plus von knapp 14 Prozent auf 640 Millionen Euro. Die Summe addiert sich aus den Ergebnissen vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (Ebita) der britischen Veranstaltertochter TUI Travel, der eigenen Hotelanlagen sowie der Kreuzfahrtschiffe.

TUI Travel verzeichnete wegen der durch Vulkanasche verursachten Flugausfälle im Frühjahr ein leichtes Umsatzminus auf 15,7 Milliarden Euro, das bereinigte Ebita stieg um knapp 11 Prozent auf 506 Millionen Euro – den Angaben zufolge ein Ergebnis der Synergien aus der 2007 vollzogenen Fusion der deutschen und britischen Veranstalter. Bei den TUI-Hotels schrumpften die Erlöse um 4 Prozent auf 380 Millionen Euro, operativ verdiente die Sparte mit 127 Millionen Euro 15 Prozent mehr.

Besonders erfreut zeigte sich Frenzel über das Kreuzfahrtgeschäft. Der Umsatz war zwar mit 179 Millionen Euro leicht rückläufig, dafür erreichte die Flotte mit einem Plus von 8 Millionen Euro wieder die Gewinnzone. Die TUI ist im Luxussegment mit Schiffen wie der MS Europa allein aktiv; den Massenmarkt will sich der Konzern in einem Joint Venture mit dem Branchenriesen Royal Caribbean unter der Marke TUI Cruises erschließen. Das neue „Mein Schiff 2“ soll im Mai in See stechen. „Die Buchungszahlen übertreffen bereits deutlich die Erwartungen“, sagte Frenzel, ohne Details zu nennen.

Von Hapag-Lloyd flossen der TUI im vergangenen Geschäftsjahr 150 Millionen Euro zu – im Vergleichszeitraum war noch ein Minus von 174 Millionen Euro angefallen. „Wir alle können froh, dankbar und stolz sein, dass uns dieser spektakuläre Turnaround gelungen ist“, erklärte Frenzel. Trotz der aktuell sehr guten Perspektiven für die Containerschifffahrt, hält die TUI an ihrem Ausstiegsbeschluss fest. Das eigene Aktienpaket von rund 49 Prozent soll über die Börse oder an einen Investor verkauft werden. Weder zum Zeitpunkt der Veräußerung noch zum erhofften Preis wollte Frenzel etwas sagen: „Wir sind nicht unter Zeitdruck.“ Die Einnahmen wolle der Konzern nutzen, um den Schuldenberg von aktuell 2,3 Milliarden Euro abzutragen und um in die Touristik zu investieren.