Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Die TUI beendet ihre Zweiteilung
Mehr Welt Wirtschaft Die TUI beendet ihre Zweiteilung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 31.10.2014
Von Jens Heitmann
„Ein besonderer Tag für die TUI“: Konzernchef Friedrich Joussen dringt nach der Fusion auf Tempo beim Wachstum. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Anderthalb Jahre nach seinem Amtsantritt hat TUI-Chef Friedrich Joussen die Übernahme von TUI Travel unter Dach und Fach gebracht. Die Aktionäre des Mutterkonzerns und der britischen Tochter stimmten am Dienstag mit großer Mehrheit für den Zusammenschluss der beiden Unternehmensteile. „Jetzt kommt zusammen, was schon lange zusammengehört“, sagte Joussen bei der außerordentlichen Hauptversammlung in Hannover. „Dieser Tag ist ein besonderer Tag für die TUI.“

Der Reisekonzern hatte sich 2007 mit dem Konkurrenten First Choice zusammengeschlossen, um den Preiskampf auf dem britischen Markt zu entschärfen. Weil sich die TUI eine Übernahme nicht leisten konnte, brachte sie in die neue TUI Travel ihr Veranstaltergeschäft ein – das Hotel- und Kreuzfahrtgeschäft wie auch die Beteiligung an Hapag-Lloyd behielt der Konzern in eigener Regie. An ihrer britischen Tochter war die TUI mit knapp 56 Prozent beteiligt – TUI Travel kontrollierte rund 95 Prozent des Umsatzes.

Anzeige

Mit dieser Konstruktion waren weder die Manager in Hannover noch die TUI-Aktionäre glücklich. Die hohen Kosten der Konzernzentrale fraßen die von TUI Travel überwiesenen Dividenden in der Regel auf. Deshalb hatte bereits Joussens Vorgänger Michael Frenzel eine komplette Übernahme der Briten angestrebt; die Versuche scheiterten entweder am Geldmangel oder – wie 2012 – am Widerstand der TUI-Travel-Führung. Dass der Zusammenschluss nun innerhalb weniger Monate möglich wurde, habe auch ihn selbst überrascht, sagte Joussen vor den Aktionären. „Der entscheidende Unterschied zu damals ist sicherlich der Erfolg von oneTUI.“ Unter diesem Titel hatte der neue Vorstandschef im Frühjahr 2013 ein Spar- und Wachstumsprogramm aufgelegt, das den operativen Gewinn zum Ende des nächsten Geschäftsjahres auf eine Milliarde Euro steigern soll. Die Akteure am Kapitalmarkt gewährten Joussen einen beträchtlichen Vertrauensvorschuss: Der Kurs der TUI-Aktie kletterte nach seinem Amtsantritt von unter 8 Euro in der Spitze um 70 Prozent – damit wurde die Übernahme von TUI Travel möglich.

Entsprechend groß fiel gestern die Anerkennung der TUI-Aktionäre aus. „Mit diesem Deal werden Sie sich in die Geschichtsbücher eintragen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler. „Die industrielle Logik des Zusammenschlusses ist überwältigend.“ Hansgeorg Martius von der Aktionärsvereinigung SdK wie auch andere Redner verknüpften ihr Lob sogleich mit der Hoffnung auf deutlich höhere Dividenden. „Wann können wir mit 2 Euro nach Hause gehen?“, lautete eine Frage.

Joussen bat die Anleger um etwas Geduld. Für das Ende September beendete Geschäftsjahr 2013/2014 plant die TUI-Führung eine Ausschüttung von 33 Cent je Aktie – und damit 18 Cent mehr als im Vorjahr, als erstmals nach dem Einstieg bei TUI Travel wieder eine Dividende gezahlt wurde. Die TUI-Führung erhofft sich durch die Fusion Synergien von 170 Millionen Euro. Dem stehen Kosten von 120 Millionen Euro gegenüber, die im Zuge der Umorganisation der Konzernteile anfallen. Nach dem Zusammenschluss will Joussen das Wachstum beschleunigen – mit 60 neuen Hotels und vier zusätzlichen Kreuzfahrtschiffen.

Breite Mehrheit für Fusion

Hohe Hürde übersprungen: Durch den Zusammenschluss von TUI und TUI Travel entsteht ein Konzern aus einem Guss. Die britische Tochter ist mit mehr als 30 Millionen Gästen, 140 Flugzeugen und 1800 Reisebüros der weltgrößte Veranstalter – die hannoversche Mutter steuert ihre 230 Hotels und sieben Kreuzfahrtschiffe bei. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte der Konzern einen Umsatz von 18,5 Milliarden Euro – unter dem Strich stand am Ende ein vergleichsweise mickriger Gewinn von 4 Millionen Euro. Für die Fusion benötigten die TUI und TUI Travel die Zustimmung von jeweils 75 Prozent der Aktionäre. Auf der Hauptversammlung in Hannover votierten die Anteilseigner mit mehr als 99 Prozent für den Zusammenschluss.  In London lag die Hürde deutlich höher, weil die TUI als Großaktionärin nicht mitstimmen durfte. Damit mussten drei Viertel der übrigen Anteilseigner für die Übernahme votieren. Am Ende waren 79,8 Prozent dafür. Die Eigentümer von TUI Travel erhalten nun für jeden gehaltenen Anteil 0,399 neue TUI-AG-Aktien.