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Wirtschaft Schokoladen-Streit wird bissiger
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11:43 30.11.2013
Von Lars Ruzic
In der vergangenen Woche hatte die Stiftung Warentest der Vollnuss-Schokolade von Ritter die schlechteste Note „Mangelhaft“ gegeben – nicht weil den Testern das Produkt nicht schmeckte, sondern weil sie darin das künstliche  Aroma Piperonal fanden. Quelle: dpa
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Hannover

 „Das ist eine Frage des Anstands, schließlich wurden hier der Name des Unternehmens und der Familie beschmutzt“, sagte Bertram. Die Stiftung Warentest kündigte dagegen an, sie werde an ihren Ergebnissen festhalten.

In der vergangenen Woche hatte die Stiftung Warentest der Vollnuss-Schokolade von Ritter die schlechteste Note „Mangelhaft“ gegeben – nicht weil den Testern das Produkt nicht schmeckte, sondern weil sie darin das Aroma Piperonal fanden. Dieser Stoff könne „in nennenswerten Mengen zu vertretbaren Kosten“ nur auf chemischem Weg hergestellt werden, so die Tester. Ritter behaupte auf seiner Verpackung aber, man setze nur natürliches Aroma ein. Das stelle eine Verbrauchertäuschung dar und führe deshalb in der Note zur Abwertung.

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Ritter wehrt sich gegen die Behauptung – auch weil Symrise als Lieferant eine Garantieerklärung abgegeben hat, dass der Stoff mit physikalischen Verfahren aus Pflanzen gewonnen werde und damit den Vorgaben an ein natürliches Aroma entspreche. Inzwischen hat Ritter vor dem Landgericht München eine einstweilige Verfügung gegen die Stiftung erwirkt. Dagegen wiederum wollen die Tester nun vorgehen, wie sie gestern ankündigten.

Symrise habe bereits eine eidesstattliche Versicherung vor Gericht abgegeben, dass das Aroma natürlichen Ursprungs sei, berichtete Bertram. Er könne vor Gericht detailliert offenlegen, auf welchem Weg der Geschmacksstoff hergestellt worden sei. Piperonal lasse sich unter anderem aus Vanille, Pfeffer oder dem Sassafras – einem Lorbeergewächs – gewinnen. In Pfeffer etwa fänden sich unter einer Million Teilchen 2000 Teile Piperonal, rechnete er vor.

Nach Bertrams Worten haben die Holzmindener ein Verfahren entwickelt, mit dem sich ein gesuchtes Aroma besonders effizient aus Pflanzen oder Gewürzen herausfiltern lässt. Mit der patentierten „SymTrap“-Technologie lasse sich die Konzentration des Geschmacksstoffes um den Faktor 10 000 erhöhen, so Bertram. Dafür sorgten natürliche Mineralien, in deren Poren sich just die gesuchten Mineralien ansammelten. Die „SymTrap“-Maschinen baut der Konzern selbst, sie lassen sich auf unterschiedlichsten Feldern einsetzen. „Auf diesem Gebiet sind wir weltweit führend“, so Bertram.

Die Technologie macht es Symrise leicht, den wachsenden Kundenwunsch nach natürlichen Aromen zu bedienen. „Wir forschen im Nahrungsmittelbereich fast nur noch an natürlichen Aromen“, beteuerte der Konzernchef. Sie machten heute schon gut drei Viertel des Geschäfts aus. Dass die Stiftung Warentest einen Markenhersteller und damit auch seinen Lieferanten aufgrund einer falschen Einschätzung an den Pranger stelle, „das wird nicht ohne Folgen bleiben“, echauffierte sich Bertram.

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