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Wirtschaft Tester finden fiese Fondsgebühren
Mehr Welt Wirtschaft Tester finden fiese Fondsgebühren
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17:55 02.06.2014
Von Albrecht Scheuermann
Erfolg an der Börse ist nicht eindeutig definiert. Dies nutzen manche Fonds aus.Foto: dpa
Erfolg an der Börse ist nicht eindeutig definiert. Dies nutzen manche Fonds aus.Foto: dpa Quelle: Franck Robichon
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Berlin

Fondsgesellschaften zeigen sich oft kreativ, wenn es darum geht, ihre Einnahmen zu steigern. So knöpfen viele Anbieter ihren Kunden erfolgsabhängige Gebühren ab - zusätzlich zu den normalen Verwaltungskosten. Begründet wird dies häufig mit dem Argument, dass diese Form der Entlohnung, auch als „Performance Fee“ bezeichnet, das Fondsmanagement zu besonders guten Leistungen ansporne. Den Vorteil davon hätten letztlich also die Kunden selbst, weil sie höhere Renditen erzielen.

Das ist allerdings ein Märchen. Jedenfalls gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem Erfolg eines Fonds und der Form der Gebührenberechnung, wie jetzt eine Untersuchung der Stiftung Warentest ergab, veröffentlicht in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“.

Die Berliner Tester hatten sich die Zahlen von 50 Fonds angeschaut, die weltweit in Aktien investieren und sich für ihre Leistungen ein Extra genehmigen - bezahlt vom Kunden, denn die Gebühren werden stets dem Fondsvermögen entnommen. Das Ergebnis ist ernüchternd. „Einen Zusammenhang zwischen Erfolgsgebühr und Fondsqualität konnten die Tester nicht feststellen.“ Wohl aber hätten sie viele Regelungen entdeckt, die nur dem Anbieter nutzten und den Anleger benachteiligten. Selbst bei Fonds mit sehr schwacher Wertentwicklung seien Erfolgsgebühren berechnet worden. Als ein besonders negatives Beispiel wurde der Sarasin EquiSar IIID (Eur) P acc genannt. Bei ihm seien pro Jahr 0,6 Prozent zusätzlich als Erfolgsgebühr abgezogen worden, obwohl der Fonds pro Jahr mehr als 10 Prozentpunkte schlechter abschnitt als der Weltaktienmarkt.

Hier die wichtigsten Kritikpunkte

Misserfolge trägt nur der Kunde: Wenn die Fondsmanager es schaffen, den entsprechenden Markt zu übertreffen, genehmigen sie sich eine Erfolgsgebühr. Schneidet der Fonds dagegen schlechter ab, geht das allein auf Kosten des Kunden.

Ungünstiger Maßstab: Die Fondsanbieter nehmen sich den Index als Vergleichsmaßstab, der ihnen am besten in den Kram passt. So gibt es den Weltindex MSCI World (wie auch den Dax) als Preis- und als Performance-Index. Was sich ziemlich technisch anhört, kann für den Fondskäufer teure Konsequenzen haben. Im Performance-Index werden neben der Kursentwicklung auch die Dividendenzahlungen berücksichtigt. Deshalb ist seine Wertentwicklung automatisch 2 bis 2,5 Prozent besser als beim reinen Preisindex. Darum nehmen die Fondsanbieter gerne den Preisindex. So können sie leichter einen Erfolg vorweisen und dafür Extragebühr kassieren.

Berechnungstricks: Dazu gehört zum Beispiel, den Anlageerfolg vor Abzug der Kosten zu berechnen. Der Anleger muss also für einen „Erfolg“ bezahlen, der bei ihm netto - also nach Kosten - gar nicht in dieser Höhe ankommt. Dabei muss man wissen, dass die Fonds eine Verwaltungskostenpauschale von häufig mehr als 1,5 Prozent abziehen. Diese Berechnungsmethode für den Erfolg ist aber seit vergangenem Jahr nur noch für Fonds zulässig, die im Ausland aufgelegt werden.

Unterschiede gibt es bei der Höhe der Erfolgsgebühren. Die meisten Fonds begnügen sich mit 10 bis 20 Prozent, nicht dagegen die Sparkassengesellschaft Deka und die zu den Volksbanken gehörende Union Invest, die sich sogar ein Viertel vom Mehrertrag abschneiden.

02.06.2014
01.06.2014