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Wirtschaft Startup Changers gewinnt CeBIT-Wettbewerb code_n
Mehr Welt Wirtschaft Startup Changers gewinnt CeBIT-Wettbewerb code_n
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10:16 08.03.2013
Changers sind Markus Schulz und Daniela Schiffer wahrhaftig.
Changers sind Markus Schulz und Daniela Schiffer wahrhaftig. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Ihre Idee kam den Berlinern beim Kaffeekochen: Ein tragbares Solarpanel, mit dem man Energie selbständig und grün erzeugen kann, ein Ladeakku, um die eigenen mobilen Geräte mit dem grünen Strom aufzuladen und eine Internetseite, um seine Ersparnisse zu errechnen. Für jede erzeugte Wattstunde bekommt der Nutzer einen Creditpunkt auf der Internetseite - und mit den Credits kann er dann umweltfreundliche Produkte einkaufen.

149 Euro kostet das Solarmodul zusammen mit dem Ladeakku. Daran verdient das junge Unternehmen etwas Geld, aber üppig ist es nicht. „Wir produzieren in Dresden, absichtlich in Deutschland, weil wir darauf vertrauen, dass unseren Kunden das die paar Euro mehr wert ist“, sagt Schulz. Außerdem nehmen sie eine kleine Gebühr von den Unternehmen, deren Produkte sich über die Internetseite mit den Öko-Credits erwerben lassen.

„Nur was sich messen lässt, hat auch einen Wert“, erklärt der Unternehmensgründer Schulz das Konzept, mit dem Changers Menschen zu mehr ökologischem Bewusstsein verhelfen will. „Wenn Sie das Licht ausschalten, spart das ja auch Strom, aber wie viel wissen sie nicht.“ Auf der Internetseite changers.com legt jeder Nutzer ein Profil an und spart darauf – für jedermann sichtbar – Energie. Rund 2000 Menschen sind bisher angemeldet.

Der Weg war für die Geschäfts- und Lebenspartner Daniela Schiffer und Markus Schulz nicht immer einfach. 2010 startete das Unternehmen zunächst eigenfinanziert, dann stieg schnell eine große Solarfirma als Investor ein. Changers beschäftigte in der Hochphase 25 Mitarbeiter, darunter viele Ingenieure, das Gerät ging in die Serienproduktion – und der Investor pleite. In der Krise der Solarindustrie 2011 konnte das Unternehmen sich nicht am Markt behaupten und fiel als Geldgeber aus. Das bedeutete auch für Changers: Insolvenz. „Aber wir waren überzeugt von unserem Konzept und haben deshalb weitergemacht“, erzählt der 45-Jährige Schulz. Mit privaten Mitteln kauften sie die Anteile der Firma vom Insolvenzverwalter zurück und fingen noch mal neu an.

„Das war eine harte Zeit, aber sie hat uns auch zusammengeschweißt“, sagt die 33-jährige Frau an seiner Seite. Das Startup sei ein 24/7-Job, die beiden sind 24 Stunden an sieben Tagen die Woche für ihre Idee im Einsatz. „Aber man entdeckt immer wieder neue Kräfte“, sagt Schiffer, wenn man nur überzeugt sei, von dem, was man tut.

In der zweiten Kategorie, emerging company, traten beim Wettbewerb code_n Unternehmen gegeneinander an, die schon mindestens drei Jahre am Markt sind. Auch dieser Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Gewonnen hat die niederländische Firma greenclouds, die ein System zur effizienten Nutzung von Datenkapazitäten entwickelt hat. „Die Datenserver großer Firmen sind im Durchschnitt nur zu zehn Prozent ausgelastet“, erklärt der Marketing Manager Rob Rijhoek.

Greenclouds firmiert als Plattfom für diesen ungenutzen Datenspeicherplatz. Die Unternehmen bieten ihre überflüssigen Kapazitäten an, Firmen ohne eigene Rechencenter nutzen den Speicherplatz und zahlen dafür eine Gebühr. In den Niederlanden funktioniert das System bereits, jetzt wollen die Gründer Peter Zonneveld und Michel Korpershoek das Konzept auch in andere Länder bringen. „Sie haben wirklich bewiesen, dass sie nicht nur am Geschäft, sondern auch an einer besseren Welt mitwirken wollen“, sagte CeBIT-Chef Frank Pörschmann bei der Preisübergabe.

Einen spontan gestifteten Sonderpreis über 10.000 Euro bekamen die Gründer der österreichischen Firma Helioz überreicht. Sie wurden für Wadi ausgezeichnet, ein einfach zu benutzendes Gerät für die solarbetriebene Trinkwasseraufbereitung in Plasitkflaschen, das vor allem in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen soll.

Der code_n Award wurde nach der Premiere im vergangenen Jahr zum zweiten Mal vergeben. 250 Unternehmen aus 35 Ländern hatten sich im Vorfeld beworben, 50 aus 13 Ländern wurden schließlich zur CeBIT eingeladen. Bis Sonnabend zeigen die Jungunternehmer ihre Projeke und Geschäftsideen in Halle 16.

Von Anne Grüneberg

07.03.2013
Frerk Schenker 07.03.2013