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00:00 14.01.2022
Ein Mann steht mit seinem Mobiltelefon vor einer Leinwand mit der Aufschrift 5G. Im Landkreis Peine hat die Telekom mehrere Standorte auf neue Mobilfunkstandards erweitert.
Vier Konzerne wollen in Deutschland 5G-Mobilfunknetze aufbauen.
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Hannover

Ein gutes Mobilfunknetz steht bei den meisten Kommunen ganz oben auf der Wunschliste. Wenn es allerdings an die Umsetzung geht, legen sich offenbar viele quer. „Man will zwar das Netz, aber nicht die Antenne“, klagt Christian Sommer, Vorstandsmitglied bei Vantage Towers. Vantage ist einer größten Betreiber von Sendemasten in Europa und sucht allein in Deutschland Tausende Standorte für 5G-Antennen. „10 bis 15 Prozent der Anträge sind Problemfälle – optimistisch gerechnet“, sagte Sommer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Einsatz beim autonomen Fahren

Der Aufbau eines neuen Mobilfunknetzes nach dem 5G-Standard ist ein Mammutprojekt. Die Technik erfordert kürzere Abstände zwischen den Antennen, und für den Einsatz etwa beim autonomen Fahren oder in der Landwirtschaft muss es verlässlich auch entlegene Gegenden erreichen.

„Ein flächendeckendes 5G-Netz, das auch Anforderungen wie dem autonomen Fahren gerecht wird, braucht bundesweit wahrscheinlich rund 50.000 Antennen“, sagt Sommer, betont allerdings auch: „Das sind nicht immer große Masten, sondern auch unscheinbare Small Cells, beispielsweise auf Bushaltestellen oder an Verkehrsampeln.“

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In Teilen der Bevölkerung und bei einigen Kommunen ist die Skepsis dennoch groß. Mal fürchte man um das Stadtbild, mal werde auf mögliche Strahlenbelastung verwiesen, sagt Sommer. „Die weit überwiegende Zahl findet toll, was wir machen“, aber „einige Kommunen wollen schlicht keinen Funkmast in Sichtweite haben“. Die angebotenen Ersatzstandorte seien aber oft technisch nicht geeignet.

Planer fühlen sich ausgebootet

Nicht selten fühlen sich die Planer ausgebootet. Wo kein bestehender Standort auf 5G umgerüstet werden kann, müssen Nutzungsrechte gesichert und neue Genehmigungen eingeholt werden. Die Baugenehmigungen würden oft mit „sehr kreativen“ und kaum erfüllbaren Auflagen versehen. Sommer sieht dadurch die ehrgeizigen Vernetzungspläne in vielen Regionen gefährdet. Es gebe sehr gute Mobilfunkinitiativen auf Landesebene, „aber das wird ad absurdum geführt, wenn ein Referent im Bauamt querschießt“.

Sorgen vor zu hoher Strahlenbelastung hält der Manager für unbegründet. „Wir haben in Deutschland ein sehr hohes Schutzniveau“, und die Einhaltung werde von der Bundesnetzagentur streng überwacht. „In der Regel liegen wir bei den Messungen weit unter den Grenzwerten.“ Auch den Hinweis mancher Kommunen, dass sie bereits Glasfaserkabel verlegen, lässt er nicht gelten: Mobilanwendungen, die immer mehr zunehmen, bräuchten nun einmal Funkanbindung.

5G in der Volkswagen-Arena: Vodafone und die DFL haben gemeinsam eine Echtzeit-App entwickelt und in Wolfsburg getestet.

Die vom Vodafone-Konzern abgespaltene Vantage Towers und mehrere Konkurrenten suchen im Auftrag der Netzbetreiber nach den passenden Standorten und bauen die Antennen. Jede einzelne wird dann aber von mehreren Anbietern genutzt, damit Infrastruktur nicht doppelt und dreifach entsteht.

Manche Kommunen sind dennoch schlicht genervt von den unterschiedlichen Firmen, die sie wegen Antennenstandorten angehen. Es gehe nicht selten um ein Kommunikationsproblem zwischen Kommunen und Mastaufstellern, heißt es bei den Kommunen. Denn einen Gesamtplan gibt es nicht – gesucht wird nach dem Bedarf der vier 5G-Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone, Telefonica und 1&1.

Städtetag vermittelt

Beim Deutschen Städtetag versucht man, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Der Verband hat bereits Musterverträge mit den Mastaufstellern entwickelt, um den Kommunen die Arbeit zu erleichtern. „Die Städte brauchen gut ausgebaute und belastbare Daten- und Mobilfunkverbindungen“, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy dem RND. „Das wünschen sich nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern das ist auch ein Wirtschaftsfaktor.“ Bei der Standortsuche träfen allerdings öffentliche auf privatwirtschaftliche Interessen. Die müssten nun einmal zusammengebracht werden.

Manchmal bekommen wir einfach gar keine Antwort.

Christian Sommer; Vorstand Vantage Towers

„Überall gilt: Anträge auf neue Sendeanlagen werden von den Kommunen genau geprüft“, sagt Dedy. Unterm Strich will man bei den Kommunen aber von Blockade nichts wissen: „Die Städte sind verlässliche Partner beim Ausbau des 5G-Netzes“, sagt Dedy. Auch Sommer betont Gesprächs- und Hilfsbereitschaft in jedem Einzelfall – aber dafür müssten Politik und Behörden auch reden wollen: „Manchmal bekommen wir einfach gar keine Antwort, und die Verfahren ziehen sich in die Länge.“

Von Stefan Winter/RND

Der Artikel "Städte wollen Mobilfunk am liebsten ohne Antenne" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.