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17:57 30.10.2014
Foto: Im Prozess gegen den Ex-Arcandor-Chef Middelhoff laufen die Plädoyers.
Im Prozess gegen den Ex-Arcandor-Chef Middelhoff laufen die Plädoyers. Quelle: dpa
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Essen

Eigentlich meidet Cornelie Middelhoff die Öffentlichkeit. Weil es für ihren Mann im Essener Untreue-Prozess zuletzt aber nicht mehr allzu gut aussah, hat sie sich doch noch in den Zeugenstand rufen lassen. Eine Villa in St. Tropez, eine Jacht und Flüge im Privatjet – alles gut gut und sicher auch ganz schön, sagte Frau Middelhoff. Doch ihr Mann habe davon im Grunde nichts gehabt: „Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“ Selbst an den Wochenenden und bei gemeinsamen Ferienreisen. Es habe öfter Diskussionen gegeben, warum immer die Firma Vorrang habe, aber geändert habe das nichts: „Er hat immer gesagt, dass so viele Arbeitsplätze davon abhängen.“

Im Prozess geht es um Middelhoffs Zeit als Chef des damaligen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor. Die Anklage wirft dem Manager vor, das Unternehmen insgesamt mit betriebsfremden Kosten in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro belastet zu haben. Hauptsächlich geht es um Flüge mit Chartermaschinen, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Anklagebehörde aber ganz oder teilweise privat veranlasst waren.

Flüge im Privatjet seien für ihren Mann nie ein Luxus gewesen – er habe vom Start bis zur Landung gearbeitet, selbst wenn die eigenen Familie mit an Bord gewesen sei, berichtete Frau Middelhoff. Die Anklagebehörde hegt daran Zweifel. Einmal habe er einen Charterflieger nur deswegen leer von Köln nach Boston kommen lassen, um ein paar Stunden früher ins Wochenende starten zu können. Auch Flüge in sein Feriendomizil in Saint-Tropez in Südfrankreich habe er dienstlich abrechnen lassen, sagte Staatsanwalt Helmut Fuhrmann am Donnerstag in seinem Plädoyer.

In Essen hatte Middelhoff auf Konzernkosten einen Dienstwagen, Fahrer und eine Dienstwohnung nahe Essen – doch habe ihm dies nicht gereicht, sagte Fuhrmann. Vielmehr sei er mit den Hubschrauber von seinem Haus in Bielefeld nach Essen geflogen, um Zeit zu sparen, denn auf der Autobahn hätten ihn immer wieder Staus aufgehalten. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hätte er diese Flüge privat abrechnen müssen: Middelhoff sei nicht anders zu behandeln als andere Arbeitnehmer; die Fahrt zwischen dem Wohnort und Arbeitsstelle falle in die „Privatsphäre“.

Der Staatsanwalt forderte für Middelhoff eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten gefordert. Der 61-Jährige habe seine Treuepflichten verletzt und Arcandor in 44 Fällen geschadet. 

dpa/r.

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