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20:39 05.10.2011
Die belgisch-französische Bank Dexia leidet vor allem unter ihren großen Beständen an griechischen Staatsanleihen
Die belgisch-französische Bank Dexia leidet vor allem unter ihren großen Beständen an griechischen Staatsanleihen Quelle: dpa
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Nachdem bereits am Dienstagabend Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gemahnt hatte, dass man sich auf eine Verschärfung der Bankenkrise vorbereiten müsse, forderte gestern auch EU-Währungskommissar Oli Rehn eine koordinierte europäische Aktion, um das Bankensystem widerstandsfähiger zu machen. „Die Kapitalpositionen europäischer Banken müssen gestärkt werden, um zusätzliche Sicherheitsspielräume zu schaffen und so die Unsicherheiten zu reduzieren“, sagte Rehn.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hält staatliche Unterstützungsmaßnahmen für die Kreditinstitute für erforderlich. Er hatte bereits vor seiner Herbsttagung den möglichen Bedarf dafür auf rund 200 Milliarden Euro veranschlagt. Dies sei angesichts der Größe des europäischen Kapitalmarktes und verglichen mit der Ausstattung des Rettungsschirms EFSF sehr wenig, sagte IWF-Europa-Direktor Antonio Borges in Brüssel.

Der Fall Dexia hat gezeigt, wie schnell die Banken durch die Staatsschuldenkrise in Bedrängnis geraten können. Während die Bank, die in der Bankenkrise von 2008 bereits staatliche Hilfe erhalten hatte, beim europaweiten Stresstest im Sommer noch als eines der solidesten Institute abgeschlossen hatte, ist sie nun aufgrund ihres hohen Besitzes an griechischen Staatsanleihen in Existenznot geraten. Zwar versicherten die Regierungen in Brüssel und Paris, dass sie das Institut nicht fallen lassen würden, aber die Bank wird vermutlich aufgespalten. Das Kerngeschäft soll nach den Plänen der Regierungen mit anderen Banken zusammengelegt, die „gefährlichen Teile“ sollen in eine Bad Bank ausgelagert werden.

Es bestehe derzeit eine „wirklich gefährliche Verbindung“ zwischen den Staatsschulden und den Geldhäusern“, mahnte der Chef der europäischen Bankenaufsicht EBA, Andrea Enria. Die Finanzminister haben Schäuble zufolge die EBA beauftragt, binnen weniger Wochen festzulegen, „welche Mindestkennziffern für Kapital und Liquidität“ die Aufseher für nötig halten.

Für die deutschen Banken sieht die Bundesregierung aktuell allerdings keinen Handlungsbedarf. Die deutschen Geldinstitute seien relativ gut aufgestellt, erklärte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Ihr Engagement in griechischen Staatsanleihen ist vergleichsweise niedrig, sodass auch weitere Abschreibungen zu verkraften wären. Notfalls könne man auch den Ende 2010 ausgelaufenen Banken-Rettungsfonds Soffin schnell wieder beleben. An den Börsen sorgte die Aussicht auf Staatshilfen erst einmal für Erleichterung. Vor allem die Finanztitel verbuchten gestern starke Gewinne.

Klaus Dieter Oehler