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Wirtschaft Solar-Euphorie in Deutschland verpufft
Mehr Welt Wirtschaft Solar-Euphorie in Deutschland verpufft
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11:54 25.05.2011
Von Albrecht Scheuermann
Aktien deutscher Solar-Hersteller stehen unter Druck. Die Situation am Markt ist schwierig. Quelle: dpa (Archivbild)
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Als am 11. März die Nachrichten von der Atomkatastrophe um die Welt gingen, schien vielen Geldanlegern so viel klar zu sein: Die Atomkraft ist am Ende, das Zeitalter der erneuerbaren Energien ist endgültig angebrochen. In den folgenden Tagen kam es bei vielen Aktien aus diesem Bereich zu einem wahren Kursfeuerwerk mit Steigerungen um bis zu 40 Prozent. Von dieser Euphorie der ersten Wochen ist nicht mehr viel geblieben.

Zwei prominente Beispiele sind Solarworld und q-cells. Die Aktie des Bonner Solarworld-Konzerns war unmittelbar vor dem Unglück in Japan auf 7,60 Euro gerutscht – und damit nicht mehr weit vom Jahrestief bei 7 Euro entfernt. Am Tag darauf sprang die Aktie über 10 Euro und erreichte Anfang April sogar rund 12 Euro. Seitdem geht der Trend insgesamt nach unten. Vor allem in den vergangenen Tagen hat sich der Fall erheblich beschleunigt. Gestern notierte die Aktie sogar zeitweise unterhalb von 9 Euro – ein Wochenverlust von mehr als 10 Prozent.

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Noch schlimmer hat es die Aktie des in Thalheim bei Bitterfeld-Wolfen angesiedelten Solarzellen-Herstellers q-cells getroffen. Nach Fukushima ging es mit dem Papier wie im Fahrstuhl um etwa 30 Prozent auf 3,50 Euro nach oben. Gestern rutschten q-cells-Anteile zeitweise unter 2 Euro, was einem Kursverlust von etwa 40 Prozent gegenüber dem März-Hoch entspricht.

Die Ursache für die Ernüchterung ist nicht schwer zu finden: Der Markt leidet unter enormen Überkapazitäten. Besonders die Chinesen haben eine gewaltige Solarindustrie aufgebaut – und drücken ihre Photovoltaik-Produkte mit Kampfpreisen in den Markt. Die einst führenden deutschen Hersteller spielen auf dem Solarmarkt dagegen nur noch eine Nebenrolle. Nach einer Studie der Berliner Hochschule für Technik und Wissenschaft werden die weltweiten Produktionskapazitäten für Solarzellen in diesem Jahr auf rund 30.000 Megawatt (MW) steigen – die globale Nachfrage bleibe mit 18.000 MW weit dahinter zurück. Als Folge des Überangebots sei ein heftiger Preiskampf ausgebrochen.
Wer glaubt, dass es in der Windkraft anders aussieht, hat sich getäuscht. Auch die deutschen Hersteller von Windstromanlagen stehen unter scharfem Wettbewerbsdruck. In diesem Bereich ist von den stürmischen Kursgewinnen nach dem 11. März ebenfalls kaum etwas geblieben, wie etwa der Kursverlauf der Nordex-Aktie zeigt.