Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Mit E-Scootern den Verkehr anders denken
Mehr Welt Wirtschaft Mit E-Scootern den Verkehr anders denken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:43 22.03.2019
Im bayrischen Bamberg läuft derzeit ein Pilotprojekt: Der Pressesprecher der Bamberger Stadtwerke, Jan Giersberg, fährt mit einem Elektro-Scooter des US-amerikanischen E-Scooter-Sharing Anbieters „Bird“. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Auf den Straßen von Paris und Brüssel sind sie schon omnipräsent, in Deutschland sucht man sie noch vergebens: E-Scooter. Eine neues Gesetz soll nun Abhilfe schaffen.

Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland erzählt Timm Fuchs, Verkehrsexperte bim Deutschen Städte- und Gemeindebund, was für ein Potenzial sich hinter den smarten Rollern verbirgt.

Anzeige


Herr Fuchs, Sie sind Verkehrsexperte des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Darf man sich derzeit mit einem E-Scooter auf öffentlichen Straßen bewegen?

Timm Fuchs ist Beigeordneter für Verkehr beim Deutschen Städte- und Gemeindebund. Quelle: DStGB

Nein. Die sind im Moment generell nicht zugelassen. Städte können E-Scooter zwar im Rahmen eines Verkehrsversuches nach der Straßenverkehrsordnung testen, aber das ist ja dann keine endgültige Regelung. Deshalb schafft die Bundesregierung jetzt die rechtlichen Grundlagen in Abstimmung mit der Europäischen Kommission. Im Moment darf man die Scooter nur auf dem Privat- oder Firmengelände fahren.


Gehört den E-Scootern die Zukunft?

Wir finden das gut, denn das ist ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung der Mobilität in den Städten. E-Scooter können insbesondere den Öffentlichen Nahverkehr gut ergänzen und eine zusätzliche Alternative zum Auto schaffen, beispielsweise wenn man von zu Hause zur Haltestelle fährt, mit dem E-Scooter dann in den Bus umsteigt und den letzten Weg wieder mit dem Scooter zurücklegt. Wir sehen das als Baustein, um von der Dominanz des Autoverkehrs in den Städten wegzukommen.

Kann denn der E-Scooter tatsächlich das Auto ersetzen?

Das hat schon ein großes Potenzial, gerade in der Nahmobilität. Das ist eine Möglichkeit, Verkehr in den Städten auch anders zu denken und anders zu machen. Im Moment sind wir in den großen Städten noch zu sehr mit dem Auto verbunden, das regelmäßig 23 Stunden am Tag herumsteht und nur eine Stunde bewegt wird. Dabei nimmt es viel Platz weg, den wir doch auch für eine bessere Nutzung des öffentlichen Raums gebrauchen können, um so die Lebensqualität in den Städten zu steigern.

Was für Reglementierungen sind nötig, um die E-Roller für den Straßenverkehr zuzulassen?

Es muss geregelt werden, wo und unter welchen Bedingungen die E-Scooter genutzt werden dürfen. Es gibt ja unterschiedliche Ausgangssituationen in den Städten. Es gibt Städte, wo wir bereits jetzt einen sehr verdichteten Rad-, Fußgänger- und Straßenverkehr haben. In Klein- und Mittelstädten und im ländlichen Bereich sind die Verkehrsprobleme oft nicht so ausgeprägt. Aber auch da wäre es gut, wenn es flächendeckende Regelungen gibt, damit die Menschen auch wissen, wie und ob sie den E-Scooter nutzen dürfen.

Wie müssen sich die Städte verändern, damit E-Scooter sinnvoll genutzt werden können?

Die E-Roller sollen auf Radwegen zugelassen werden. Jedoch kommt die Radwege-Infrastruktur in vielen Städten, gerade in Großstädten, an ihre Grenzen. Deswegen sollte die Zulassung der Scooter von einer Radwege-Offensive begleitet werden. Der Bund ist für die Wege an Bundesstraßen zuständig und sollte dort vorangehen. Die Länder und Kommunen müssen dann nachziehen. Wir würden uns wünschen, dass die Mittel bereitgestellt werden, damit die Radwege gebaut oder verbreitert werden können. Da, wo es keine Radwege gibt, müssen die Kommunen entscheiden, wie mit E-Scootern gefahren werden darf. Auf verstopften Gehwegen macht es keinen Sinn, auch noch E-Scooter zuzulassen.

In den USA gibt es viele Verletzte durch E-Roller. Sollte ein Führerschein Pflicht werden?

Man sollte mit Schulungen anfangen. Wir kennen das ja aus dem Fahrrad-Bereich. Da gibt es gute Konzepte, mit denen die Schüler frühzeitig im Unterricht lernen, wie man sich im Straßenverkehr sicher bewegt. Das kann man auch auf E-Scooter erweitern. Aber uns geht es darum, dass man die Einstiegshürden nicht zu hoch setzt.

Wann können wir damit rechnen, mit dem E-Scooter regulär auf den Straßen fahren zu können?

Wir gehen davon aus, dass es im Frühsommer diesen Jahres etwas wird.

Von Moritz Naumann/RND

Der Artikel "Mit E-Scootern den Verkehr anders denken" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.