Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft "Sie werden alle bankrott sein"
Mehr Welt Wirtschaft "Sie werden alle bankrott sein"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:13 21.03.2012
Von Jens Heitmann
100762267-20120321181700.tif
In Deutschland steht etwa die Hälfte der weltweit installierten Kapazität an Photovoltaikanlagen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Beim Energiekonzern e.on sieht offenbar schwarz für die Zukunft der deutschen Solarhersteller. Die hiesige Industrie werde in den kommenden fünf Jahren angesichts des Wettbewerbs aus China "verschwinden", sagte Technologie-Vorstand Klaus-Dieter Maubach auf dem Bloomberg New Energy Finance Summit in New York. Nicht ein einziger Arbeitnehmer werde dann noch bei den deutschen Solarunternehmen arbeiten: "Sie werden alle bankrott sein", sagte Maubach nach Angaben der Agentur Bloomberg.

In der Düsseldorfer e.on-Zentrale wollte man die Prognose des Vorstandes nicht kommentieren. Die Äußerung sei sicherlich "sehr prägnant", hieß es - aber angesichts der jüngsten Verlautbarungen aus der Solarbranche auch nicht überzogen. Wegen der von der Bundesregierung geplanten Kürzung der Solarförderung und der harten Konkurrenz durch Billiganbieter aus China, hatten zuletzt viele deutsche Hersteller vor einschneidenden Konsequenzen und dem Verlust zehntausender Arbeitsplätze in Deutschland gewarnt.

Dem Preisdruck in der Branche waren in den USA im vergangenen Jahr mehrere Unternehmen zum Opfer gefallen, unter anderem der Solarpionier Evergreen und der Zellhersteller Solyndra. Auch in Deutschland prägen rote Zahlen die Bilanzen - inzwischen sogar beim lange erfolgsverwöhnten Branchenprimus Solarworld. Die Konkurrenten Q-Cells und Conergy ringen ums Überleben, der insolvente Modulhersteller Solon wurde von der arabischen Microsol übernommen. Die Konstanzer Sunways wurde von der chinesischen LDK geschluckt, die mittlerweile auch selbst wegen des Preiskampfes unter Druck gerät und ihre Gewinnschätzung kappen musste.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) wirft China eine gezielte Verdrängung deutscher Firmen und Monopolstreben vor. Die chinesischen Modulhersteller würden unbegrenzt subventioniert, schrieben aber dennoch rote Zahlen, hatte er zuletzt erklärt. Die billigen chinesischen Importe seien der Hauptgrund für die boomenden Solar-Aufträge in Deutschland.

Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft zählt die Branche hierzulande 15000 Betriebe, davon 350 Produzenten. Sie beschäftigt 150000 Mitarbeiter. In Deutschland sind Photovoltaikanlagen mit einer Kapazität von 25000 Megawatt installiert. (mit: dpa)

Dirk Stelzl 21.03.2012
21.03.2012