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20:45 27.06.2012
Von Stefan Winter
„Wir sind zufrieden“: Die Anwälte Porsches und der Maple Bank sahen sich bestätigt. Quelle: dpa
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Braunschweig

Eine Entscheidung wird allerdings frühestens im September fallen, danach dürfte der jeweilige Verlierer in die nächste Instanz gehen. Den Auftakt im Prozessmarathon machte am Mittwoch ein Berliner Privatanleger, der nach eigenen Angaben 3,1 Millionen Euro mit Optionen auf VW-Aktien verloren hat und sie von Porsche und der Frankfurter Maple Bank zurückfordert. In einem zweiten Verfahren verlangt die Schweizer Anlagegesellschaft  MyCapital von Porsche 1,6 Millionen Euro. Beide werfen Porsche vor, die Öffentlichkeit im Übernahmekampf mit VW falsch informiert zu haben.

Im März 2008 erklärte Porsche, damals mit rund 30 Prozent bei VW beteiligt, man wolle nicht auf 75 Prozent aufstocken. Anleger spekulierten daraufhin auf fallende Kurse und verloren, als im Oktober 2008 die Kehrtwende kam und sich der VW-Kurs innerhalb von Stunden vervierfachte: Man kontrolliere direkt und über Optionen 74 Prozent und werde über die 75er-Marke gehen, meldete Porsche.

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Der Vorsitzende Richter Stefan Puhle bemühte sich, die komplizierten Transaktionen greifbar zu machen: „Wir kommen ja mehr vom Bausparvertrag“, sagte er mit Blick auf sein dreiköpfiges Gremium. Puhle deutete allerdings an, dass seine Entscheidungsgründe abseits der Finanztechnik liegen werden. Um Porsche wegen vorsätzlicher Schädigung zu belangen, müsse sittenwidriges Verhalten nachgewiesen werden, das sei eine „sehr hohe Hürde“. Der Anwalt des Privatanlegers, Christoph von Arnim, wirft Porsche vor, die eigentliche Übernahmeentscheidung weit vor der Mitteilung getroffen zu haben und hält die Verzögerung für sittenwidrig.

Bei MyCapital zweifelte Puhle an der Berechnung der Schadenshöhe und konzentriert sich auf die Frage, wodurch genau die Transaktionen der Schweizer ausgelöst wurden. Hier gehen die rechtlichen Bewertungen auseinander, und MyCapital-Anwalt Braun glaubt, dass seine Sicht der Dinge vor höheren Instanzen mehr Zustimmung findet.

Die Fachdiskussion wird sich wiederholen, wenn Braun mit zwei ungleich größeren Fällen nach Braunschweig kommt. Zusammen mit Partnern hat er sich nach eigenen Angaben Forderungen großer Fonds über insgesamt 2,1 Milliarden Euro abtreten lassen, die sich zum Teil auch gegen VW richten. Zu beiden Fällen wurden am Mittwoch Formalitäten geklärt, ein Termin für die Hauptverhandlung steht noch aus.

Braun will vor Gericht auch die Verantwortung der VW-Gremien prüfen lassen: „Unter Umständen muss man auch die Herren Wulff, Wiedeking und Piëch einvernehmen lassen.“ Der damalige niedersächsische Ministerpräsident und der damalige Porsche-Chef saßen 2008 im VW-Aufsichtsrat, der Porsche-Miteigentümer ist bis heute Vorsitzender. Nach Überzeugung der Kläger wussten alle weit vor der öffentlichen Verkündung von Porsches Beherrschungsplänen. Porsche bleibt dabei, dass die wechselnden Beschlüsse sofort kommuniziert worden seien. „Wir sind mit der Verhandlung zufrieden“, sagte Porsche-Chefjurist Guido Peters. „Der heutige Tag ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Der wegen Kreditbetrugs angeklagte frühere Porsche-Finanzchef Holger Härter gibt sich siegessicher. Bei der nahenden Verhandlung im Landgericht Stuttgart würden Zeugen, Dokumente und Sachverständige seine Unschuld beweisen, ließ der 56-Jährige am Mittwoch durch seine Düsseldorfer Anwältin Anne Wehnert erklären. Er erwarte, „dass die vollständige Ausräumung jeglichen Verdachts in der Hauptverhandlung erfolgen wird“. Härter war der Architekt des Übernahmeangriffs auf Volkswagen. Ihm und zwei Mitarbeitern wird vorgeworfen, eine Bank, die die komplizierten Transaktionen mitfinanzierte, im März 2009 unzureichend oder falsch informiert zu haben.

27.06.2012
27.06.2012
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