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Wirtschaft Schwerer Abschied von der Glühbirne
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18:11 27.08.2009
Die Tage der Glühbirne sind gezählt – doch die Verbraucher wollen sich nicht gerne von ihr trennen. Quelle: ddp
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Neuseeland und Australien haben es vorgemacht: In beiden Ländern gilt zum Wohle des Klimas bereits ein striktes Glühbirnenverbot. Am Dienstag folgt die EU dem leuchtenden Beispiel und verbietet den Vertrieb von 100-Watt-Glühbirnen sowie allen matten Leuchten. Damit nicht genug: Ein Jahr später dürfen 75-Watt-Birnen nicht mehr verkauft werden. Bis 2011 sollen die 60-Watt-Lampen ausgemustert werden. Bis September 2012 will Brüssel die Europäische Union von den herkömmlichen Leuchten befreit haben. Verbraucher sollen auf Energiesparleuchten umsteigen. Händlern, die sich nicht an das Verkaufsverbot halten, drohen Bußgelder: Bis zu 50.000 Euro werden bei Verstößen fällig.

Die EU agiert so rigoros, weil sie ihre Bürger zum Energiesparen anhalten will. „Die Glühbirne ist eine sehr ineffiziente Lichtquelle“, sagt der CDU-Europa-Abgeordnete Peter Liese, der sich beharrlichen für das Gesetz eingesetzt hat. Die herkömmliche Leuchte erzeuge aus dem verbrauchten Strom nur 5 Prozent Licht. Der Rest verpuffe als Wärme.

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So argumentiert auch die EU-Kommission. Durch den Umstieg auf Energiesparlampen könnten in der EU jährlich bis zu 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, heißt es bei der Behörde. Das Einsparpotenzial entspreche dem Jahresstromverbrauch Rumäniens.

Nicht nur das Klima, auch die Geldbörsen der Verbraucher sollen durch das Glühbirnenverbot entlastet werden. Nach Angaben der Kommission kann ein durchschnittlicher Haushalt dadurch jährlich 50 Euro Stromkosten sparen. Dass energieeffiziente Leuchten mit 9 bis 14 Euro je Stück teurer in der Anschaffung sind, hat man bei der Rechnung berücksichtigt.

Trotz aller Vorteile fällt den Verbrauchern der Abschied schwer. Nicht nur in Deutschland hat das Gesetz zu regelrechten Hamsterkäufen von Glühbirnen geführt. Baumärkte vermelden Rekordabsatzzahlen. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wurden von Januar bis Juli in Deutschland 34 Prozent mehr Glühlampen verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Energiesparlampen hingegen entwickeln sich zu Ladenhütern. Sie leuchteten zu fahl, verströmten kaltes Licht oder seien wegen ihres Quecksilbergehalts gesundheitsgefährdend, kritisieren Birnenliebhaber.

Das Umweltbundesamt hält Hamsterkäufe vor dem Verkaufsverbot für „unsinnig“. Energiesparleuchten brächten den Verbrauchern zahlreiche Vorteile, betont die Behörde. Dass Energiesparbirnen nur kaltes Licht lieferten, schnell kaputtgingen und lange bräuchten, bis sie hell würden, seien Vorurteile, die längst überholt seien. Energiesparlampen schnitten mit ihrer Umweltbilanz von der Herstellung bis zum Lebensende zudem „erheblich besser“ ab.

von Hanna Roth