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Wirtschaft Schaeffler wagt bei Conti den Befreiungsschlag
Mehr Welt Wirtschaft Schaeffler wagt bei Conti den Befreiungsschlag
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21:42 12.08.2009
Von Lars Ruzic
Auftritt: Vor einer Woche reiste Elmar Degenhart noch vergeblich in Hannover an, um Conti-Chef zu werden. Im zweiten Anlauf haben ihn die Schaefflers durchgebracht, auch die Arbeitnehmerseite stimmte zu. Quelle: Jochen Lübke/lni
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Der neue Konzernchef Elmar Degenhart hatte gleich drei weitere Kollegen mitgebracht, für die es der erste Arbeitstag im Spitzengremium des Zulieferriesen mit 24 Milliarden Euro Umsatz und 133.000 Mitarbeitern war.

Während Degenharts Vorgänger Karl-Thomas Neumann mit Rollkoffer vondannen zog, musste ihm in der Hauptverwaltung ein Mann „beruflich und privat alles Gute wünschen“, der seine Ablösung in den vergangenen Tagen besonders intensiv betrieben hatte: Aufsichtsratschef Rolf Koerfer. Zu seiner eigenen Person sagte der Schaeffler-Vertraute nichts, das überließ er seinem Stellvertreter.

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Werner Bischoff, im Hauptberuf Vorstandsmitglied der IG Bergbau, Chemie, Energie, machte deutlich, dass Koerfer sein Amt zur Verfügung stellen werde, wenn die Neuordnung des Conti-Vorstands abgeschlossen sei.

Bischoff machte jedoch keinen Hehl daraus, dass er mit Koerfers Rücktritt für Ende September rechnet, wenn das Gremium das nächste Mal zusammentritt. Dazu müssten bis dahin allerdings zwei weitere wichtige Personalfragen geklärt werden. Zum einen sucht Conti weiter händeringend nach einem Finanzvorstand, der schon wegen der geplanten Kapitalerhöhung dringend vonnöten ist.

Einen zweiten Mann von Schaeffler neben Degenhart, den früheren Dresdner-Bank-Vorstand Klaus Rosenfeld, hatte das Familienunternehmen nicht durchsetzen können. Außerdem ist noch die Nachfolge Koerfers zu regeln. Schaeffler, die Arbeitnehmerseite und Commerzbank-Chef Martin Blessing als Vertreter des Hauptgläubigers der Franken hatten sich darauf verständigt, dass es ein unabhängiger Manager mit Wurzeln in der Autoindustrie werden soll – etwa vom Schlag eines Bernd Pischetsrieder oder eines Wolfgang Reitzle.

Die Suche läuft bereits auf Hochtouren, konkrete Kandidaten wurden jedoch in der gestrigen Sitzung des Aufsichtsrats noch nicht gehandelt. Koerfer selbst bleibt in dem Gremium, sogar als Mitglied des Präsidiums – dem wichtigsten Aufsichtsratsausschuss. Maria-Elisabeth Schaeffler habe ihren Familienanwalt unbedingt im Aufsichtsrat halten wollen, hieß es. Interessant werde nun aber die Frage, wer für das neue Mitglied seinen Platz räumen werde. Das werden die zehn Kapitalvertreter unter sich ausmachen müssen.

Niemand geht bei Conti davon aus, dass der Wälzlagerhersteller aus Herzogenaurach einen seiner fünf Posten für den neuen Vorsitzenden hergibt. Den neuen Vorstand muss dass zunächst nicht kümmern, er wird genug damit zu tun haben, sich erst einmal selbst zu sortieren. Es sei ein „Signal an die Mitarbeiter und die externen Partner“, dass die Conti-Spitze nun wieder in fast voller Mannschaftsstärke auflaufe, sagte Degenhart.

Seit Mittwoch hat jede der sechs Konzernsparten wieder einen eigenen Vorstand: Degenhart leitet die Division Powertrain (Produkte rund um den Antriebsstrang), Helmut Matschi den Bereich Interior (Elektronik und Multimedia), Ralf Cramer Chassis & Safety (Brems- und Regelsysteme), Nikolai Setzer Pkw-Reifen, Hans-Joachim Nikolin Lkw-Reifen und Heinz-Gerhard Wente den Kautschukspezialisten ContiTech. „Zusammen mit Schaeffler können wir eine großartige Zukunft gestalten“, frohlockte Degenhart.