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Wirtschaft Schaeffler greift bei Conti zur Brechstange
Mehr Welt Wirtschaft Schaeffler greift bei Conti zur Brechstange
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00:23 01.08.2009
Abgang auf Raten: Schaeffler will Karl-Thomas Neumann im zweiten Anlauf verdrängen. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Bei einer zweiten Abstimmung in gut zwei Wochen reicht jedoch die einfache Mehrheit der Kapitalseite, um Neumanns Vertragsauflösung zu beschließen. Als Nachfolger will Schaeffler offenbar einen Mann aus den eigenen Reihen installieren: Elmar Degenhart, einst Manager bei Conti Teves.

Das Vorgehen Schaefflers stieß gestern auf breite Kritik bei Politik, Gewerkschaften und Autoindustrie. Der Kurs der Conti-Aktie rauschte um elf Prozent nach unten. Niedersachsens Wirtschaftsminister Philipp Rösler sprach sich dafür aus, Neumann im Amt zu halten. Er sei „am besten geeignet, die Zukunft der Conti-Schaeffler-Gruppe und deren Beschäftigten langfristig zu sichern“. Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine, selbst im Conti-Aufsichtsrat, sprach von einem „groben Fehler“ der Familie Schaeffler. Neumann sei „einer der besten Automobilmanager in Deutschland“.

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Meine griff die hannoverschen Konzernchefs Michael Frenzel (TUI) und Gunter Dunkel (Nord/LB) an, die im Kontrollgremium sitzen. „Das Abstimmungsverhalten der niedersächsischen Kapitalvertreter, die sich an diesem skandalösen Vorgang beteiligt haben, ist mehr als ernüchternd“, sagte Meine dieser Zeitung. Die beiden Manager wollten sich dazu nicht äußern. In Konzernkreisen hieß es, Dunkel habe sich zwar für Neumann als den „richtigen Vorstandsvorsitzenden“ ausgesprochen, sei aber der Ansicht, er könne das Unternehmen nicht gegen den Großaktionär führen. Andere Arbeitnehmervertreter sprachen von einer „Bankrotterklärung der Kapitalseite“. In dem Gremium stellt Schaeffler fünf Vertreter – einschließlich des Vorsitzenden. Erst am Donnerstagmorgen hatten sie den anderen Mitgliedern eröffnet, dass das Vertrauensverhältnis zu Neumann zerrüttet sei.

Der Conti-Chef hatte mehrmals Lösungsbeiträge von Schaeffler zur desolaten Finanzlage beider Konzerne gefordert. Noch während der Sitzung warb er für eine Kapitalerhöhung – und bekam dafür eine einstimmige Genehmigung. Schaeffler hatte dem Plan ursprünglich kritisch gegenübergestanden, da der Conti-Anteil der Franken von 90 auf gut 66 Prozent sinken könnte.

Die Banken der beiden Zulieferer wurden von dem Krach ebenso kalt erwischt wie die großen Kunden. In der Autobranche heißt es, jetzt sei eine Entwicklung im Gang, die keinem gefalle: „Man verliert sich jetzt in Grabenkämpfen.“

von Stefan Winter und Lars Rusic