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Wirtschaft Reisebranche steht vor Neuordnung
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21:12 09.06.2009
Von Jens Heitmann
Stammsitz des Reiseveranstalters TUI an der Karl-Wiechert-Allee in Hannover. Quelle: Frank Radel

Man werde sich jede Übernahmemöglichkeit zur Stärkung des Kerngeschäfts anschauen, sagte Rewe-Chef Alain Caparros am Dienstag. Bei einer Fusion würden die beiden Reiseanbieter die TUI in Deutschland als Branchenführer ablösen.

Bisher dominieren die Hannoveraner den Markt mit großem Vorsprung: Mit einem Umsatz von 4,7 Milliarden Euro erreichte die TUI im vergangenen Jahr einen Marktanteil von 22,1 Prozent. Thomas Cook (Neckermann) und Rewe (ITS, DER, Tjaereborg) belegen mit Anteilen von jeweils rund 13 Prozent die Plätze zwei und drei. Einer möglichen Fusion der beiden größten Rivalen sieht man bei der TUI dennoch gelassen entgegen. „Marktanteile kann man nicht zur Bank tragen“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Die Arcandor-Spitze hat bereits vor Wochen einen Verkauf ihres Thomas-Cook-Anteils von 53 Prozent an Rewe geprüft. Dies wäre „theoretisch tatsächlich die einzige privatwirtschaftlich gangbare Lösung“ gewesen, um den Konzern finanziell zu stabilisieren, hatte Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick erklärt. Die Essener hatten auf einen Verkaufserlös von 1,3 bis 1,4 Milliarden Euro gehofft – damit hätten sie ihre Bankschulden tilgen können und noch Kapital für die Sanierung übrig behalten.

Doch daraus wurde nichts: Wie bei der Metro, die auf die Übernahme von Karstadt spekuliert, weiß man auch bei Rewe, dass die Insolvenz des Mutterkonzerns den Preis für die einzelnen Arcandor-Töchter eher nach unten drückt. Es habe nur ein kurzes Telefonat mit Rewe gegeben, erklärte Eick: „Da wurde auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen.“

Von einer Übernahme der Mehrheit an Thomas Cook erhoffe sich Rewe eine Steigerung der Vertriebskraft und mehr Gäste, hieß es in der Branche. Die aktuelle Nummer drei hat ihre Kapazitäten im Pauschalreisegeschäft ausgeweitet und soll bereit sein, im Kampf um Marktanteile auch Verluste hinzunehmen. Darüber hinaus könnte Rewe bei einem Zusammenschluss die Abhängigkeit von den Banken verringern: Mit den Anzahlungen aus dem Reisegeschäft ließen sich die Wareneinkäufe im Handelsgeschäft finanzieren.

„Eine Übernahme von Thomas Cook durch Rewe wird jedoch kein Selbstgänger“, sagte Touristikexperte Karl Born. Denkbar sei auch ein Angebot von Finanzinvestoren, die nach einem Einstieg die verschiedenen Cook-Veranstalter einzeln weiterverkaufen könnten. In der Branche gibt es zudem Zweifel, ob sich Rewe die komplette Übernahme von Thomas Cook leisten könnte. An der Börse wird das Aktienpaket von Arcandor aktuell mit rund einer Milliarde Euro bewertet, hinzu käme möglicherweise ein Angebot an die übrigen Aktionäre.

Der jetzige Thomas-Cook-Konzern ist das Ergebnis von zwei Fusionen: Zuerst übernahm die damalige C&N-Touristik 1999 mit der britischen Thomas Cook auch deren Namen. Damit war das Unternehmen in Europa die Nummer zwei hinter der TUI, die ihrerseits Thomson Travel gekauft hatte. Vor zwei Jahren folgte der Zusammenschluss von Thomas Cook mit MyTravel, der Nummer vier der Branche. Die TUI fügte ihre Reisesparten parallel dazu mit der britischen First Choice zur neuen TUI Travel zusammen und behauptete damit in Europa Platz eins.

Ziel beider Konzerne war eine Konsolidierung des Marktes, also eine Minderung des Wettbewerbsdrucks. Das beobachte natürlich auch das Bundeskartellamt, hieß es in der Branche. In der Regel befürchtet die Behörde erst bei einem Marktanteil von einem Drittel eine beherrschende Stellung, in Einzelfällen greife der Verdacht aber auch schon unterhalb dieser Schwelle. Noch sei Rewe oder ein anderer Interessent nicht an das Kartellamt herangetreten, sagte ein Behördensprecher am Dienstag.

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