Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Regierung kürzt Förderung für Solaranlagen
Mehr Welt Wirtschaft Regierung kürzt Förderung für Solaranlagen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:23 20.01.2010
Solarstromanlagen werfen bald weniger Geld vom Staat ab. Quelle: dpa
Anzeige

Die Bundesregierung will die Vergütung für Strom aus Photovoltaik deutlich kürzen, wie Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Mittwoch ankündigte. Mehr lohnen soll es sich künftig, den selbst produzierten Strom auch selbst zu verbrauchen.

Wer eine Solarstromanlage besitzt und den dort gewonnenen Strom ins allgemeine Stromnetz einspeist, wird vom Staat gefördert. Diese Vergütung war Anfang des Jahres um rund zehn Prozent gekürzt worden, nun sollen weitere 15 Prozent hinzukommen. Für Dachanlagen soll die Änderung zum 1. April in Kraft treten, für Anlagen auf Freiflächen zum 1. Juli. Die maximale Förderung sinkt dann von derzeit 39 Cent pro Kilowattstunde auf gut 33 Cent. Betroffen sind nur neue Anlagen, für alte Anlagen gelten weiter die alten Fördersätze.

Anzeige

Stärker noch soll die Förderung bei Solaranlagen auf Ackerflächen zusammengestrichen werden Hier betrage die zusätzliche Kürzung 25 Prozent, sagte Röttgen. Stärker gefördert werden soll dagegen der Eigenverbrauch des Stroms aus Dachanlagen. Wer seinen eigenproduzierten Strom selbst nutzt, erhält dafür ebenfalls eine Förderung, zusammengerechnet mit der Ersparnis für den nicht benötigten Strom vom Versorger lohnt sich das bereits mehr als die Einspeisung von Solarstrom ins allgemeine Stromnetz. Dieser Vorteil soll nun von rund drei auf etwa fünf Cent pro Kilowattstunde steigen.

Die Kürzung der Subvention ist ein Ausdruck von Erfolg“, sagte Röttgen. Als neuen „Zielkorridor“ für den Ausbau der Solaranlagen nannte der Minister für dieses Jahr die Marke von zusätzlichen 3000 Megawatt. Wird diese Marke übertroffen, sinkt im kommenden Jahr der Fördersatz. Beim Erreichen höherer Schwellen werden die Subventionen 2011 noch stärker gekürzt. Liegt der Neubau jedoch unter den Erwartungen, wird der Fördersatz erhöht, um die Branche wieder zu stärken.

Anfang Oktober soll die Bundesnetzagentur Bilanz ziehen und anhand der neu installierten Anlagen den Fördersatz für das kommende Jahr bekanntgeben. Ziel der Bundesregierung ist es nach den Worten Röttgens, den Anteil der Photovoltaik an der Stromerzeugung in Deutschland von derzeit einem Prozent auf bis zu fünf Prozent im Jahr 2020 zu erhöhen.

Die Bundesregierung aus Union und FDP will eine “Überförderung“ der Solarbranche vermeiden. Die Kosten für die Solarsubventionen waren in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, da Verbraucher und Unternehmen deutlich mehr Solarstromanlagen installierten als ursprünglich geschätzt. Verbraucherschützer forderten daraufhin kräftige Kürzungen, da die Kosten für die Förderung auf alle Stromkunden umgelegt werden.

Der Bundesverband Solarwirtschaft warte vor einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Solarindustrie, vor einer einer „Insolvenzwelle“ und dem Verlust zehntausender Arbeitsplätze. Eine Nachbesserung der Pläne Röttgens sei unverzichtbar, erklärte der Verband. Der Bundesverband Erneuerbare Energie nannte die Vorschläge „völlig überzogen“. „Die jetzt vorgeschlagenen Kürzungen bedrohen die deutsche Solarindustrie in ihren Grundfesten und damit den Aufbruch“ ins Zeitalter der erneuerbaren Energien, kritisierte der Verband.

dpa/afp