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Wirtschaft Ratingagentur stuft Conti erneut herab
Mehr Welt Wirtschaft Ratingagentur stuft Conti erneut herab
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19:25 20.05.2010
Innerhalb von zwei Tagen hat die Conti-Aktie mehr als 10 Prozent ihres Wertes verloren. Quelle: dpa
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Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Kreditwürdigkeit des Zuliefererkonzerns Continental überraschend herabgestuft. Die Bonitätsprüfer senkten die Note von „B+“ auf „B“ und schickten damit die Conti-Aktie auf Talfahrt. Innerhalb von zwei Tagen hat das Papier mehr als 10 Prozent seines Wertes verloren. Für den Konzern wird es nach der Herabstufung noch schwerer, seine für den Sommer geplante Hochzinsanleihe zu verträglichen Konditionen auf den Markt zu bringen.

Schon Anfang des Jahres hatten die Hannoveraner die Anleihe, die bis zu 2 Milliarden Euro hätte umfassen können, zurückgestellt, weil ihren das S&P-Rating nicht passte. Ursprünglich hatten sie sich von den weiteren Gesprächen eher eine bessere Einstufung erhofft. Zuletzt hatte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer allerdings bereits klargestellt, die Geschäfte liefen gut genug, so dass man Zeit für weitere Kapitalmaßnahmen habe. Ursprünglich sollte die Anleihe noch in der ersten Jahreshälfte platziert werden.

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Die Ratingagentur moniert vor allem, dass Conti durch die Nachverhandlung der Kreditverträge im Jahr 2012 auf einen Schlag die gesamte Belastung von mehr als 8 Milliarden Euro refinanzieren müsse. Zwar glaube man daran, dass der Konzern dies bewerkstelligen werde. Doch gebe es das Risiko, dass dann das Kapitalmarktumfeld ungünstig sei. Wenn Conti das Thema nicht rechtzeitig in Angriff nehme, drohe zudem eine weitere Herabstufung. Großaktionär Schaeffler belaste die Hannoveraner zusätzlich, weil er noch deutlich höher verschuldet ist. Dies wiege positive Faktoren wie etwa die überdurchschnittlichen Renditen der Conti mehr als auf, so S&P.

Metaller neuer Betriebsratschef: Erstmals steht bei Continental ein Arbeitnehmervertreter der IG Metall an der Spitze des Konzernbetriebsrats. Die 46 Mitglieder des Gremiums bestimmten mit sofortiger Wirkung Hans Fischl zu ihrem Vorsitzenden. Der Bayer ist seit neun Jahren Betriebsratsvorsitzender des Werks Regensburg, das mit der VDO-Übernahme zur Conti kam und heute mit mehr als 6000 Beschäftigten größter deutscher Standort im Konzern ist. Sein Vorgänger Bruno Hickert hatte sich nicht mehr zur Wiederwahl gestellt. Fischls Stellvertreter stellt die IG BCE. Er heißt Jörg Schustereit, ist langjähriger Betriebsratschef des ContiTech-Standorts in Northeim und steht an der Spitze der sogenannten Euro-Gruppe, des europäischen Verbunds der Belegschaftsvertreter. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger sitzt Fischl auch im Aufsichtsrat des Konzerns.

Lars Ruzic