Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Protest gegen Jobabbau bei Siemens
Mehr Welt Wirtschaft Protest gegen Jobabbau bei Siemens
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:46 09.06.2015
Siemens-Mitarbeiter auf einer Belegschaftsversammlung in Mühlheim an der Ruhr. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser hält den geplanten Stellenabbau im Konzern für unvermeidlich. Dieser werde aber "überlegt und sozialverträglich" verwirklicht, sagte Kaeser der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. An diesem Dienstag protestiert die IG Metall mit einem bundesweiten Aktionstag gegen die Streichung von Arbeitsplätzen. Allein in Deutschland sollen insgesamt 5100 wegfallen. Den Abbau von 2200 dieser 5100 Stellen hatte Kaeser erst im Mai bekanntgegeben. Hintergrund dieser "zweiten Welle" sei die neue Situation im Stromerzeugungsgeschäft.

Keine betriebsbedingte Kündigungen

"In Deutschland ist im Wesentlichen vor dem Hintergrund der Energiewende die Nachfrage für große Gaskraftwerke eingebrochen. Und auch im restlichen Europa ist es so, dass durch das geringe Wachstum dieser Länder und eine höhere Energieeffizienz der Bedarf insgesamt sinkt", sagte Kaeser. Deshalb sei der europäische und deutsche Markt für fossile, große Turbinen "nicht mehr existent".

Anzeige

Das Unternehmen müsse "entsprechend eingreifen". Siemens werde das aber nicht überhastet tun. "Wir verzichten auf betriebsbedingte Kündigungen. Dazu gibt es eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft und dem Betriebsrat, aber das ist auch einfach eine Frage des respektvollen Umganges mit hervorragenden Arbeitskräften", fügte der Vorstandsvorsitzende hinzu.

Jobabbau bei Siemens

Mit dem neuerlichen Abbau tausender Jobs reagiert Siemens auf die Probleme in der Stromerzeugungssparte und auf die Ertragsschwäche in einigen Geschäftseinheiten. Weltweit sollen dabei weitere 4500 Jobs gestrichen werden, davon 2200 in Deutschland - allein 1600 Jobs davon stehen in der Stromerzeugungs-Sparte im Inland auf der Kippe. Zusammen mit dem radikalen Konzernumbau und weiteren Stellenstreichungen im Energiegeschäft summieren sich die Abbaupläne auf mehr als 13.000 Arbeitsplätze. Weil es um verschiedene Maßnahmen an zahlreichen Standorten geht, die obendrein zu unterschiedlichen Zeitpunkten bekanntgegeben wurden, sind die Folgen für die einzelnen Werke schwer aufzuschlüsseln.

Siemens äußert sich dazu nicht. Zu den am stärksten betroffenen Standorten soll Mülheim in Nordrhein-Westfalen gehören, wo durch das Maßnahmenpaket insgesamt rund 900 Stellen auf der Streichliste stehen sollen. In Berlin soll es insgesamt um rund 800 Stellen gehen, in Erlangen dagegen um weniger als 100 Jobs.

Die Stromerzeugung von Siemens hat darüber hinaus Standorte in Offenbach am Main, Erfurt, Essen und Görlitz. In der sächsischen Stadt dürften gut 100 Arbeitsplätze zur Disposition stehen. Weltweit hat Siemens rund 342.000 Beschäftigte, davon 114.000 in Deutschland. dpa

"Es ist wirklich tragisch, dass wir in Deutschland hervorragend ausgebildete Leute haben, die aber jetzt hier keine Zukunftsbasis mehr haben und woanders gebraucht werden." Auf die Energiewende und den Trend zu dezentraler Energieversorgung habe man unter anderem mit dem Kauf des Gasturbinen-Geschäfts von Rolls-Royce reagiert. Nun habe Siemens die dafür benötigte "flexible, kompatible Turbinentechnik", die zuvor gefehlt habe. "Damit sind wir ein Komplettanbieter in der Branche wie sonst keiner auf der Welt."

Der Stellenabbau solle gemeinschaftlich mit den Arbeitnehmervertretern bewältigt werden. Die Versetzung deutscher Mitarbeiter auf andere Stellen im Inland werde aber "nicht immer klappen".

Kaeser wies auf die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland von 2,5 Milliarden Euro in diesem Jahr hin. Zudem werde in die deutschen Fabriken 700 Millionen Euro investiert, in ähnlicher Größenordnung werde das auch 2016 so sein. "Daraus entsteht natürlich auch Bedarf", sagte Kaeser. "Die Zahl unserer Mitarbeiter ist weltweit zuletzt gestiegen, in Deutschland zumindest gleich geblieben." Ende März waren es nach Siemens-Angaben weltweit 342.000, rund 2000 mehr als ein Jahr zuvor. In Deutschland blieb die Zahl konstant bei 114.000.

dpa

08.06.2015
Wirtschaft Ausstand startet schrittweise - Streiks bei der Post haben begonnen
08.06.2015
Wirtschaft Spielwarenhändler in Altwarmbüchen betroffen - Verdi ruft zu Warnstreik bei Toys "R" Us auf
08.06.2015