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Wirtschaft Industrie wächst ohne neue Jobs
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00:15 10.04.2014
Von Lars Ruzic
Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Eröffnung der Hannover Messe 2014. Partnerland sind in diesem Jahr die Niederlande.
Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Eröffnung der Hannover Messe 2014. Partnerland sind in diesem Jahr die Niederlande. Quelle: dpa
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Hannover

Die deutsche Industrie steht vor einem Erfolgsjahr. Ihr Spitzenverband BDI rechnet mit einem Exportplus von 5 Prozent, sowohl die Maschinenbauer wie auch die Elektroindustrie sehen nach einem Jahr mit Rückgängen bei Umsatz und Produktion wieder optimistischer in die Zukunft. Der Maschinenbauverband VDMA will 2014 erstmals die Rekordwerte von 2008 übertreffen, er geht von einem Umsatzplus von 3 Prozent aus. Für die Gesamtwirtschaft rechnet der BDI mit einem Plus von 2 Prozent.

Spürbare Beschäftigungseffekte seien aber nicht zu erwarten, sagte VDMA-Präsident Reinhold Festge am ersten Tag der Hannover Messe. „Es wäre schon ein großer Erfolg, wenn wir die Zahl halten können.“ Der Maschinenbau beschäftigt fast eine Million Menschen, in der deutschen Industrie insgesamt arbeiten gut acht Millionen Beschäftigte.

BDI-Präsident Ulrich Grillo berichtete von steigenden Kennzahlen bei allen konjukturrelevanten Größen. Ausrüstungsinvestitionen, Auftragseingänge, Kapazitätsauslastung und Produktion befänden sich seit Monaten im Aufwind. Er könne sich daher auch „ein Tick mehr“ als 2 Prozent Wachstum für 2014 vorstellen. „Das gilt aber nur unter der Annahme, dass sich die Krim-Krise nicht ausweitet.“ Die Industrie fürchtet eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland, wird sich im Fall der Fälle aber in ihr Schicksal fügen. „Das Völkerrecht und die Sicherheit eines Landes stehen über wirtschaftlichen Interessen“, so Grillo. Die Bundesregierung brauche hier keine Ratschläge der Verbände, „sie weiß genau, was auf dem Spiel steht“.

Russland war zuletzt einer der Wachstumsmotoren für deutsche Exporte. In Zeiten politischer Krisen zeige sich aber einmal mehr die Bedeutung der Handelsbeziehungen zu den europäischen Nachbarn und den USA, sagte der BDI-Präsident. Die Eurozone hat inzwischen ihre Talfahrt beendet und sorgt wieder für vollere Auftragsbücher. Auch das US-Geschäft floriert.

Für Grillo ein Grund mehr, die Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen zwischen EU und USA voranzutreiben. „Es könnte Maßstäbe für das 21. Jahrhundert setzen.“ Kritiker warnen vor einer Verwässerung der Verbraucherschutz- und Sozialstandards in Europa. Das wolle keine Seite, meinte der Unternehmer. Er machte sich auch dafür stark, künftig mehr Gas und Öl aus den USA zu importieren. Das senke die Abhängigkeit von Russland.

Einhellig kritisierten die Industrievertreter die Politik der Bundesregierung. Schwarz-Rot verteile „in atemberaubendem Tempo Wahlgeschenke“, sagte VDMA-Präsident Festge mit Blick auf Mindestlohn, Rente mit 63 und Mütterrente. „Wir machen hier genau das Gegenteil von dem, was wir bei unseren europäischen Nachbarn einfordern“, argumentierte Grillo. Stattdessen fehle es in Berlin an Ideen, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu fördern. „Wo gibt es eigentlich den Ruck, einen großen Wurf für Innovationen und Investitionen in Deutschland?“, fragte Festge. Er forderte, die degressive – also über die Jahre kleiner werdende – Abschreibung von Investitionen wieder einzuführen.

An der nötigen Innovationskraft mangele es Deutschland jedenfalls nicht, berichtete der Verein Deutscher Ingenieure. In einer VDI-Vergleichsstudie über die innovationsfähigsten Länder Europas landet Deutschland auf dem vierten Platz – hinter Finnland, Schweden und Dänemark.

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