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Wirtschaft Porsche-Chef Wiedeking ist Europas bestbezahlter Angestellter
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20:35 28.05.2009
Von Stefan Winter
80 Millionen Euro Jahreseinkommen: Porsche-Chef Wiedeking ist Europas bestbezahlter Angestellter.
80 Millionen Euro Jahreseinkommen: Porsche-Chef Wiedeking ist Europas bestbezahlter Angestellter. Quelle: Thomas Lohnes/ddp
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Die Konkurrenz ließ der Porsche-Mann weit hinter sich: Novartis-Chef Daniel Vasella landete mit 13,6 Millionen auf Platz zwei. Als nächster Deutscher belegt RWE-Chef Jürgen Großmann mit 9 Millionen Euro Platz 13 in Europa.

Wiedeking verdankt das astronomische Gehalt seiner Risikofreude. Als er Anfang der neunziger Jahre die Führung des damals maroden Sportwagenherstellers übernahm, vereinbarte man eine fast vollständig erfolgsabhängige Bezahlung. Bestätigt hat er es nie, bestritten aber auch nicht: Nach Angaben aus Branchenkreisen bekommt Wiedeking 0,9 Prozent des Porsche-Vorsteuergewinns ausgezahlt. Der lag dank der – damals noch – extrem lukrativen Geschäfte mit VW-Aktien im Geschäftsjahr 2007/08 bei 8,6 Milliarden Euro. Der Vertrag von 1993 gilt bis heute, er wurde erst 2006 verlängert – zu unveränderten Konditionen, wie Wiedeking berichtete.

Solche Entscheidungen treffen bei Porsche allein die Eigentümerfamilien, aber auch die freien Vorzugsaktionäre ohne Stimmrecht hatten nichts dagegen, solange Wiedeking Erfolge einfuhr. Inzwischen springen allerdings die Kehrseiten des Vertrags ins Auge. So blähte im vergangenen Jahr die abenteuerliche Kursentwicklung der VW-Aktie den Gewinn auf, was aber kein bares Geld in die Kasse brachte – schließlich will Porsche die Aktien nicht verkaufen. Buchgewinne, die im Unternehmen nur auf dem Papier stehen, bringen dem Chef reale Millionen.

Mittlerweile stört sich der Berliner Anwalt Martin Weimann an dieser Vereinbarung. Gemeinsam mit anderen Aktionären hat er beim Stuttgarter Landgericht Klage gegen Beschlüsse der Porsche-Hauptversammlung eingereicht. Die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat müsse für unwirksam erklärt werden, weil Wiedekings Vertrag rechtswidrig sei.

Weimann hat sich auf Anlegerrecht spezialisiert und klagt mit wechselnden Partnern gegen Aktiengesellschaften. So zieht er auch gegen VW zu Felde, weil der Konzern 2008 die Chance für eine Kapitalerhöhung nicht genutzt und die Aktionäre so geschädigt habe.

Bei Porsche stützt sich Weimann auf mehrere Argumente. Zum einen stünden Leistung und Gegenleistung nicht mehr im Einklang. Außerdem falle ein Gehalt in dieser Höhe nicht mehr in den Ermessensspielraum des Aufsichtsrats. Vor allem aber gehe die Vertragskonstruktion bei Wiedeking über eine Gehaltsvereinbarung hinaus, sie habe eher den Charakter eines Gewinnabführungsvertrages. Das Gericht müsse klären, ob durch die direkte Anbindung an den Gewinn in dieser Größenordnung Unternehmenssubstanz zum Chef verlagert werde. Dann nämlich müsste nicht der Aufsichtsrat, sondern die Hauptversammlung über den Vertrag entscheiden.

Was formal ein beträchtlicher Unterschied ist, spielt in der Porsche-Praxis allerdings keine große Rolle: Im Aufsichtsrat stellen die Familien Porsche und Piëch die Arbeitgeberseite und damit faktisch die Mehrheit, in der Hauptversammlung hat außer ihnen ohnehin niemand Stimmrecht.

In Weimanns Kanzlei stellt man sich auf ein „langes und langwieriges“ Verfahren ein. Für Wiedeking ist das Thema heute schon Schnee von gestern. Im Moment ist man bei Porsche froh, über die Runden zu kommen. Mit dem Gewinn wird dieses Jahr wohl nicht viel Staat zu machen sein. Abgesehen davon, dass Wiedekings Stuhl wackelt, was allerdings eine interessante – rein hypothetische – Frage aufwirft: Wie hoch wäre wohl die Abfindung bei diesem Vertrag?
Wendelin Wiedeking hat zumindest beim Gehalt Maßstäbe gesetzt.