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Wirtschaft Plan für Griechenland-Nothilfe soll stehen - Einigung über Zinshöhe
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08:27 10.04.2010
Quelle: dpa (Archiv)
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Wie der staatliche griechische Rundfunk und das Fernsehen am Freitagabend berichteten, soll es bei dem Kredithilfen um 20 bis 25 Milliarden Euro kombinierte Gelder der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit längerer Laufzeit gehen - zu einem Zinssatz von 5,1 Prozent, wesentlich niedriger als Athen bislang aufbringen musste, um Kredite an den Finanzmärkten zu erhalten.

Ende kommender Woche soll beim EU-Finanzministertreffen in Madrid Nägel mit Köpfen gemacht werden. In Brüssel gab es zu den Informationen keine Bestätigung. Dort berieten sich am Freitag Experten der Wirtschafts- und Finanzausschüsse mit den Vertretern der Mitgliedsstaaten.

Der Euro, der schwer unter Griechenland-Debakel gelitten hat, erholte sich zur US-Währung am Freitag weiter und stieg im Handelsverlauf auf 1,3467 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor noch auf 1,3384 (Donnerstag: 1,3296) Dollar festgesetzt. Die Aktienmärkte reagierten durchweg positiv.

Wie dringend Hilfszusagen für Griechenland sind, machte am Freitagabend eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten Landes deutlich. Die Ratingagentur Fitch senkte die Bonitätsnote für griechische Staatsanleihen von bisher „BBB+“ auf ein denkbar schlechtes „BBB-“, das nur für hochriskante Anleihen vergeben wird. Die Agentur begründete ihr Vorgehen mit schlechteren Aussichten für das wirtschaftliche Wachstum Griechenlands und die gestiegenen Refinanzierungskosten. Ein glaubwürdiges Angebot finanzieller Hilfe sei für Griechenland unentbehrlich, hieß es in dem Bericht der Agentur.

„Wir sind bereit, einzugreifen, wenn die Griechen das wünschen“, sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy der Zeitung „Le Monde“ (Freitag). Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union hatten Ende März vereinbart, Griechenland notfalls mit Finanzhilfen des IWF und der Euro-Staaten unter die Arme zu greifen. Diese Hilfszusagen sollten die Risikoaufschläge auf griechische Staatsanleihen verringern, die von der Regierung in Athen inzwischen als „barbarisch“ eingestuft werden.

Investoren verlangten zuletzt für zehnjährige griechische Staatsanleihen eine Rendite von rund 7,4 Prozent - über vier Prozentpunkte mehr als für entsprechende Papiere aus Deutschland, wie „Handelsblatt Online“ berichtet. Das setzt das hoch verschuldete Griechenland unter Druck, weil es bereits am 20. April Schulden von 8,2 Milliarden Euro tilgen muss und im Mai weitere Milliarden benötigt.

Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ wollen die Europäer mit der Konkretisierung ihres Hilfsprogramms in der Lage sein, ihre Hilfsmaßnahmen für Griechenland innerhalb von 48 Stunden in Gang zu setzen, sobald das Mittelmeerland um Unterstützung gebeten habe. Damit soll vermieden werden, dass Anleger ihr Geld in einem Bank-Run dann schlagartig abziehen könnten. Ob das Programm am Ende so durchgezogen wird, liege allerdings weniger an den Entscheidungen, die derzeit auf der Arbeitsebene getroffen würden. Am Ende werden die Staatschefs entscheiden müssen.

Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou betonte, sein Land plane derzeit nicht, die Nothilfen in Anspruch zu nehmen. Doch an den Finanzmärkten hält sich hartnäckig die Angst vor einem Crash Griechenlands. Trotz aller Beruhigungsversuche der Europäischen Zentralbank (EZB), der EU-Kommission und der Athener Regierung waren die Risikoaufschläge bei Griechenland-Krediten am Donnerstag auf ein Rekordniveau geklettert. Am Freitag entspannte sich die Lage leicht.

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, gibt der Europäischen Union eine Mitschuld an den rekordhohen Risikoaufschlägen für griechische Staatsanleihen. Horn begründete dies mit Konstruktionsfehlern im europäischen Notfallplan für Griechenland. Besser wäre, die EU-Staaten hätten eine klare Garantie unter sinnvollen Auflagen für Griechenland gegeben, sagte der IMK-Chef am Freitag „Handelsblatt Online“. Dann würde die Spekulationswelle auslaufen und Griechenland hätte wegen der verringerten Risikoaufschläge Chancen sich selbst zu retten.

dpa