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Wirtschaft Opel-Rettung kostet Tausende Jobs
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22:16 21.05.2009
Quelle: John MacDougall/AFP
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Die Rettung von Opel ist damit wahrscheinlicher geworden – zugleich zeichnet sich aber auch ab, dass Tausende Arbeitsplätze verlorengehen könnten. Kanzlerin Angela Merkel hat für Freitag mehrere Bundesminister und die Ministerpräsidenten der vier Länder mit Opel-Standorten zu einem Krisentreffen eingeladen. Die Spitzenrunde will die drei Angebote prüfen. Interesse haben der italienische Fiat-Konzern, der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna sowie der US-Finanzinvestor Ripplewood angemeldet.

Betriebsrat und IG Metall neigen nach Informationen dieser Zeitung zu Magna: Fiat halten sie für zu finanzschwach und fürchten wegen der Überschneidungen in der Modellpalette einen starken Arbeitsplatzabbau. Der Einstieg eines Finanzinvestoren gilt in Arbeitnehmerkreisen als abwegig. Dagegen hieß es im Bundeswirtschaftsministerium, nun müsse erst einmal der von der Insolvenz bedrohte Opel-Mutterkonzern in den USA einen Favoriten benennen. „Spiegel Online“ berichtete am Donnerstag, GM halte Magna für den geeignetsten Partner – auch weil Fiat zugleich beim GM-Konkurrenten Chrysler engagiert ist.

In ihren Konzepten verlangen alle drei Firmen hohe Staatsgarantien. Nach Angaben der „Bild“-Zeitung will Fiat rund sieben Milliarden Euro Bürgschaften beantragen. Magna möchte demnach gerne fünf Milliarden Garantien, um in einem Konsortium mit dem russischen Autohersteller Gaz die Mehrheit bei Opel zu übernehmen. Ripplewood plant dem Bericht zufolge ebenfalls eine Mehrheitsbeteiligung über seine belgische Tochterfirma RHJ, hat aber einen Kreditbedarf unter fünf Milliarden Euro.

In allen drei Konzepten ist ein spürbarer Stellenabbau vorgesehen. Fiat-Chef Sergio Marchionne sagte dem „Spiegel“, der angepeilte Unternehmensverbund würde die Produktionskapazitäten um 20 Prozent verringern müssen, den Arbeitsplatzabbau aber über alle europäischen Werke verteilen. Europaweit könnte dies die Streichung von 18 000 Arbeitsplätzen bedeuten. Marchionne will aber die deutschen Opel-Werke in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern erhalten. Im Konzept von Magna ist laut „Bild“-Zeitung von einem europaweit recht gleichmäßig verteilten Abbau von rund 10 000 Stellen die Rede. Auch das Ripplewood-Konzept sehe Stellenstreichungen in dieser Größenordnung vor.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) versprach eine rasche und genaue Prüfung der Konzepte. Als Kriterien für die Aufnahme von Gesprächen nannte er die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens, die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze und den sorgsamen Umgang mit Steuergeldern.

Für den Fall, dass die drei Offerten nicht tragfähig sind, haben die Arbeitnehmervertreter von Opel eine Notlösung vorbereitet. „Wenn alle Stricke reißen, würden die Arbeitnehmer und die Händler von Opel eine gemeinsame Offerte vorlegen“, sagte Betriebsratschef Klaus Franz der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Summe könnte bei 1,5 Milliarden Euro liegen – aufgebracht durch einen Lohnverzicht der Beschäftigten und Geld aus dem Rettungsfonds der 4000 Opel-Händler.

von Stefan Koch und Mathias Philipp