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Wirtschaft Onlineshopping: Ladekabel aus China bringen das weltweite Postsystem ins Wanken
Mehr Welt Wirtschaft Onlineshopping: Ladekabel aus China bringen das weltweite Postsystem ins Wanken
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13:21 24.09.2019
Zu viele Pakete aus China, die zu günstig sind: Die USA kritisieren das weltweite Postsystem scharf. Quelle: Nati Harnik/AP/dpa
Genf

Ladekabel, Tischdeko, Putzlappen: Das gibt es superbillig im Internet zu bestellen. Für ein paar Euro kommt es oft direkt aus China in den heimischen Briefkasten, immer häufiger auch nach Deutschland. Allein bei Elektronikartikeln dürften es nach Branchenschätzungen 70 Millionen kleine Warensendungen sein, die jedes Jahr aus China in Deutschland ankommen. Dass europäische Onlineanbieter bei den Preisen nicht mithalten können, liegt auch an dem spottbilligen Porto, das chinesische Händler für Warensendungen bis zwei Kilogramm zahlen müssen. Post von Peking nach Potsdam ist billiger als von Paderborn nach Plauen.

Das stößt mittlerweile auf so viel Gegenwind, dass der ganze Weltpostverein implodieren könnte. Der Zusammenschluss ist dafür verantwortlich, dass seit dem 145 Jahren weltweite Standards für Gebühren bei Postsendungen gelten. Unter anderem einigte man sich damals darauf, dass Länder in verschiedene Kategorien fallen sollten - und, dass Entwicklungs- und Schwellenländer bei Sendungen in Industrienationen satte Rabatte bekommen.

Zumindest im Fall von China soll das nun ein Ende haben: Die Vereinigten Staaten bestünden darauf, schon im nächsten Jahr die Gebühren für die Beförderung von Post aus dem Ausland selbst festlegen zu können, sagte ein Vertreter der US-Post am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Genf. Die USA kritisieren, dass ihrem Postsystem durch die Billigsendungen horrende Kosten entstehen. Und, dass Onlinehändler in den Vereinigten Staaten darunter leiden, dass chinesische Konkurrenten dank niedriger Versandkosten Kampfpreise anbieten können.

Auch Kritik aus Deutschland

Damit sind die Amerikaner nicht allein, ähnliche Kritik kommt aus vielen Industrienationen. Auch der deutsche Branchenverband für E-Commerce und Versandhandel (BEVH) kritisiert die unfaire Konkurrenz aus China. "Wir schätzen, dass allein Elektrogeräte im Wert von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr direkt aus China an private Haushalte in Deutschland geliefert werden", sagt BEVH-Präsident Gero Furchheim. Neben den niedrigen Portogebühren sei ein weiterer Grund für die niedrigeren Preise chinesischer Anbieter, dass diese oft Sicherheitsstandards und vor allem die Umsatzsteuer umgingen.

Für den Weltpostverein wird der Streit zur Belastungsprobe. Denn die USA haben gedroht, das fast 150 Jahre alte einvernehmliche System zu sprengen. Sie wollen im Oktober aus der Organisation mit 192 Mitgliedsländern austreten, wenn die Billigpost aus China nicht unterbunden wird, kündigten US-Vertreter an. "Eines der wichtigsten Treffen in der Geschichte des Weltpostvereins" nannte deshalb der Generaldirektor des Zusammenschlusses, Bishar Hussein", den jüngsten Krisengipfel.

Rabatt mit hehren Zielen

Dabei kam der Gebühren-Rabatt einst aus guten Absichten zustande. Der Weltpostverein hat die Länder der Welt in vier Kategorien eingeteilt. Die Industrieländer sind in der obersten Kategorie, die ärmsten Länder in der untersten. Leitgedanke war, die ärmeren Länder zu begünstigen, um die weltweite Kommunikation zu fördern.

Das hilft Entwicklungsländern noch heute.Wenn jemand aus dem bitterarmen Land etwas nach Deutschland schickt, muss die haitische Post der Deutschen Post DHL, die Briefe an die deutsche Adresse liefert, sehr wenig zahlen. Für den gleichen Brief etwa aus den USA bekäme die Deutsche Post DHL deutlich mehr.

Doch auch China ist in beim Weltpostverein in der zweituntersten Kategorie. Das war lange kein Problem, bis der Onlinehandel in den vergangenen Jahren zu boomen begann. "Amerika ist das größte Opfer", schrieb Peter Navarro, Wirtschaftswissenschaftler und Berater von US-Präsident Donald Trump, in einem Beitrag für die "Financial Times".

Lukratives Geschäft für manche Postunternehmen

Die Postunternehmen in den reichen Ländern haben keine ganz eindeutige Haltung zu den Warensendungen aus China. Viele machen zwar Verluste, wittern aber auch ein Zukunftsgeschäft. "Auch, wenn die Entschädigungen für die Sendungen aus Asien noch niedrig sind, lohnt sich das Geschäft für die Post, weil es sich dabei um ein Mengengeschäft handelt", schrieb etwa die Schweizerische Post in ihrem Geschäftsbericht 2017. "Die Deutsche Post wird sich für eine Lösung einsetzen, die auch weiterhin kalkulierbare Preise für die Kunden im internationalen Postversand sicherstellt und den Online-Handel unterstützt", sagt ein Sprecher in Bonn.

Nach Porto-Erhöhung: Deutsche Post erwartet mehr als eine Milliarde Euro Gewinn

Bislang zeichnet sich beim Gipfel des Weltpostvereins keine Lösung ab. Wenn die Mitgliedsländer den US-Alleingang nicht zustimmen und bis Donnerstag kein Kompromiss gefunden wird, scheiden die Vereinigten Staaten am 17. Oktober aus der Organisation aus.

Wird in Postverteilzentren dann Chaos ausbrechen? "Wenn die USA austreten, könnten kleine Unternehmen, die Ware online an Kunden in aller Welt verschicken, Unterbrechungen und dramatisch höhere Kosten bei der US-Post erleben", warnte der Online-Marktplatz Ebay. Die USA müssten künftig Einzelverträge mit allen Ländern über die Postbeförderung abschließen. Die US-Post arbeite mit Hochdruck daran, im Falle eines Austritts weiter eine problemlose Postbeförderung zu gewährleisten, sagte kündigte ein Vertreter des Unternehmens aber an.

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RND/dpa

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