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Wirtschaft OECD-Studie: Deutsche zahlen besonders hohe Steuern und Abgaben
Mehr Welt Wirtschaft OECD-Studie: Deutsche zahlen besonders hohe Steuern und Abgaben
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15:22 11.04.2019
In Deutschland langt der Staat im internationalen Vergleich besonders zu. Quelle: dpa
Paris

Die Menschen in Deutschland zahlen im internationalen Vergleich weiter überdurchschnittlich viele Steuern und Sozialabgaben. Im Schnitt führen Alleinstehende mit durchschnittlichem Einkommen knapp die Hälfte der ihrer Bruttolöhne – den Arbeitgeberanteil bei den Sozialabgaben eingerechnet – an den Staat ab.

Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für das Jahr 2018 hervor.

Unter den 36 bei der OECD vertretenen Industrieländern liegt damit bei diesem Personenkreis nur noch Belgien (52,7 Prozent) vor Deutschland. Der OECD-Schnitt liegt bei 36 Prozent. Am geringsten ist die Last an Steuern und Sozialabgaben in Chile (7 Prozent) – dort hat sich der Staat aus vielen gesellschaftlichen Bereichen zurückgezogen.

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Besser sieht es vor allem für Familien in Deutschland aus - hier gibt es Zuschüsse wie Kindergeld und Steuervorteile. Das gilt besonders, wenn nur ein Partner arbeitet. In diesem Fall werden in Deutschland 34,4 Prozent der Arbeitskosten fällig (OECD-Durchschnitt: 26,6 Prozent). Anders sieht es aus, wenn beide Partner erwerbstätig sind. Eine Familie mit zwei Verdienern und zwei Kindern führt den Experten zufolge in Deutschland 42,6 Prozent (OECD-Durchschnitt: 30,8 Prozent) der Arbeitskosten an den Staat ab.

Umstrittene Methodik

Die OECD schränkt die Aussagekraft des Vergleichs selbst ein: So berücksichtige die Statistik nicht, welche Vorteile staatliches Handeln den Arbeitnehmern bringt. Investiert ein Staat einen Teil der Steuerlast beispielsweise in staatlich subventionierte Sozialwohnungen, profitieren die Bürger möglicherweise von günstigeren Mieten – erfasst werde das in der Statistik nicht.

Gleiches gilt für die sozialen Sicherungssysteme: Die OECD erfasst explizit lediglich verpflichtende Zahlungen, unter anderem an Renten-, Kranken, Arbeitslosen und Pflegeversicherungen. Länder, in denen die Vorsorge den Arbeitnehmern überlassen ist, stehen damit im Vergleich besser da – auch wenn Beschäftigte dort möglicherweise große Summen in Lebensversicherungen und Ähnliches investieren müssen.

Die OECD betont deshalb, dass ihre Statistik weniger auf Aussagen über die tatsächliche Lebensqualität abziele. Stattdessen erlaubt der Bericht vor allem eine Einschätzung der Bedeutung staatlichen Handelns im Ländervergleich.

Ökonomen und auch die Bundesregierung haben deshalb in der Vergangenheit mehrfach davor gewarnt, dem OECD-Ländervergleich eine zu hohe Bedeutung beizumessen.

Von RND/dpa