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Wirtschaft Nur verhaltene Freude bei Quelle über Kreditzusage
Mehr Welt Wirtschaft Nur verhaltene Freude bei Quelle über Kreditzusage
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14:41 30.06.2009
Mitarbeiter des insolventen Warenhauskonzerns Quelle reagieren zurückhaltend auf die Kreditzusage aus Berlin. Quelle: Timm Schamberger/ddp

Das erzählt Kundenberater Florian Federer. Die Frage „Wie lange gibt es euch eigentlich noch?“ sei schon öfter zu hören. „Das ist ziemlich bitter“, sagt der 20-Jährige, der seit fünf Jahren bei Quelle arbeitet.

Er selbst hat am Montagabend ungeduldig auf Nachrichten aus Berlin von der entscheidenden Sitzung der Vertreter des Bundes und der Länder Bayern und Sachsen gewartet. Um kurz nach 22.00 Uhr las er dann im Ticker eines Nachrichtensenders die erlösende Botschaft. „Ich habe mich dann natürlich gefreut“, fügt er an. Der jetzt zugesagte Kredit und der Druck des Kataloges schafften Zuversicht, dass es „erst einmal“ weitergeht.

Federer ist sich bewusst, dass die angekündigte Neuordnung des Versandhauskonzerns auch seinen Arbeitsplatz gefährden könnte. „Aber wenn es wirklich mich betreffen würde, hätte ich noch bessere Aussichten als mancher ältere Kollege“, sagt er. Vorsichtshalber höre er sich nach eventuellen Alternativen um, aber sein Wunsch ist klar: „Wenn es hier weiter geht, ist klar, dass ich meinem Unternehmen die Treue halte.“

Federers Kollegin Sabine Polster kann wie viele Mitarbeiter noch nicht ganz glauben, dass der erste Schritt zur Rettung von Quelle wirklich getan ist. „So richtig freuen kann ich mich erst, wenn Brüssel auch noch Ja gesagt hat“, beschreibt sie ihre Stimmung. Dazu sei in den letzten Tagen einfach zu viel passiert. Speziell Frauen im Unternehmen seien noch leicht skeptisch, aber erst einmal froh, dass es jetzt zunächst zumindest für ein halbes Jahr weitergeht. Denn viele, die früher ein Zusatzeinkommen lieferten, seien inzwischen durch die Arbeitslosigkeit des Partners zu Hauptverdienern geworden und fürchteten deshalb besonders um ihre Stelle.

Vor dem Einkaufszentrum werden derzeit zwar Markentextilien 30 Prozent billiger angeboten, mit Ausverkauf hat das aber noch nichts zu tun. Geht es nach den Kunden, wollen sie den auch verhindern. „Ich finde es toll, dass es jetzt hier weitergeht“, sagt eine ältere Frau. Sie halte Quelle schon seit Jahren die Treue und werde das auch weiterhin tun, verspricht sie.

Im Lottoladen gleich vor dem Einkaufszentrum dagegen herrscht leichte Skepsis. Die Mitarbeiter könnten es noch nicht so ganz glauben, fasst Besitzer Andreas Siegmann die Stimmung zusammen. Er betreibt sein Geschäft seit 20 Jahren und bekommt schon jetzt die Auswirkungen der Quelle-Insolvenz deutlich zu spüren. „Ich merke, dass die Kundenfrequenz nicht mehr stimmt, speziell die Laufkundschaft fehlt einfach“, sagt er und beziffert seinen Umsatzrückgang auf 50 Prozent. Dies führt er zurück auf die langwierige politische Diskussion. Die Kunden seien verunsichert, etwa was die Garantie betreffe.

Für ihn ist klar, dass der drittgrößte deutsche Internetversender seine Strukturen überdenken muss: „Es kann nicht sein, dass sie so weitermachen wie bisher.“ Dabei könnte es ihm auch an die eigene wirtschaftliche Existenz gehen. Siegmann fürchtet, dass das traditionsreiche Einkaufszentrum zur Disposition stehen könnte, trotz des hervorragenden Standortes zwischen Nürnberg und Fürth mit U-Bahn-Anschluss. Schließlich sei das Kaufhaus in Erlangen vor Jahren auch geschlossen worden, was niemand erwartet hatte. „Man muss mit allem rechnen“, sagt er nachdenklich.

ddp

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