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21:27 08.05.2012
Von Albrecht Scheuermann
Große Immobilien lassen sich nicht so schnell veräußern. Das bringt manche Fonds in Geldnöte. dpa Quelle: dpa
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Hannover

Seine Überlebenschancen gelten angesichts des Debakels des SEB ImmoInvest als bescheiden. Die am Montag verkündete Auflösung des Immobilienfonds SEB ImmoInvest bis April 2017 ist der bislang größte Betriebsunfall der Fondsbranche, aber wohl nicht der letzte. Demnächst entscheidet sich die Zukunft eines weiteren fast ebenso großen Immobilienfonds, dem CS Euroreal. Seine Überlebenschancen gelten angesichts des Debakels des SEB ImmoInvest als bescheiden.

Der SEB ImmoInvest ist der siebte offene Immobilienfonds, der jetzt in Deutschland aufgelöst wird. Insgesamt ist davon ein Fondsvolumen von knapp 16 Milliarden Euro betroffen. Das macht einer Statistik des Branchenverbands BVI zufolge knapp 19 Prozent des Gesamtwerts der mehr als 40 in Deutschland vertriebenen Publikumsfonds aus, die sich auf Immobilien spezialisiert haben. Von diesen sind weitere sieben im Wert von fast 8 Milliarden Euro gegenwärtig geschlossen, was höchstens zwei Jahre lang möglich ist. Dann muss der Fonds entweder wieder öffnen - oder er wird abgewickelt.

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Insgesamt sind also rund 28 Prozent der in Immobilienfonds steckende Summe von rund 85 Milliarden Euro blockiert, weil Fonds entweder geschlossen sind oder sich in der Auflösung befinden. Die betroffenen Fonds hatten alle das gleiche Problem: Zu viele Sparer wollten gleichzeitig an ihr Geld. Da das Vermögen aber überwiegend in Immobilien gebunden ist, haben die Fonds oft nicht genug Liquidität, um alle Anlegerwünsche zu erfüllen.

Dies Problem zeigt sich erst seit dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers und der dadurch ausgelösten Finanz- und Vertrauenskrise. Dabei spielte auch eine Rolle, dass die eigentlich als langfristige Anlage geltenden Fonds zunehmend als kurzfristige Parkstation fürs Geld benutzt wurden. So sollen insbesondere Vermögensverwalter Kundengeld zum Beispiel in den SEB ImmoInvest umgeschichtet haben.

Dies schien vernünftig, weil Immobilienfonds bislang eine relativ stabile und deutlich über kurzfristigen Geldanlagen liegende Rendite abwarfen. In den vergangenen zehn Jahren lag die jährliche Durchschnittsrendite laut BVI bei 3,8 Prozent, allerdings mit deutlich abwärts gerichteter Tendenz. Und über die Liquidität dieser Fonds, also die Möglichkeit, sie schnell wieder zu Geld zu machen, musste man sich früher keine Gedanken machen.

Experten sehen genau in dieser kurzfristigen Verfügbarkeit das Grundübel von Immobilienfonds. Investitionen in große Immobilien und die tägliche Verfügungsmöglichkeit der Investmentsparer - das passe einfach nicht zusammen. Deshalb werden jetzt bis zum Jahresende alle offenen Immobilienfonds in Deutschland auf neue gesetzliche Vorgaben umgestellt. Dazu gehört, dass Anleger grundsätzlich nur noch maximal 30000 Euro im Halbjahr abziehen können.

Branchenkenner erwarten, dass durch die künftig geltenden Beschränkungen die Probleme zumindest deutlich entschärft werden. Der offene Immobilienfonds habe sich als „reformfähig“ erwiesen und bleibe daher „für den Kleinanleger die attraktivste Form der indirekten Immobilienanlage“, erklärte Reinhard Kutscher, Chef der Union Investment Real Estate in Hamburg.

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