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Wirtschaft Neuer Metro-Chef blickt auf viele Baustellen
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10:57 01.01.2012
Unter der Führung von Olaf Koch treibt der Handelskonzern Metro den Kaufhof-Verkauf voran.
Unter der Führung von Olaf Koch treibt der Handelskonzern Metro den Kaufhof-Verkauf voran. Quelle: dpa
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Düsseldorf

Die weltweit 280.000 Mitarbeiter des größten deutschen Handelskonzerns Metro haben einen neuen Chef. Der bisherige Finanzvorstand Olaf Koch ist mit dem Beginn des neuen Jahres an die Spitze des Düsseldorfer Konzerns gerückt. Mit 41 Jahren ist er der jüngste Vorstandschef der 30 Unternehmen im wichtigsten deutschen Börsenindex Dax. Viel Zeit, um in die neue Aufgabe hineinzuwachsen, bleibt Koch nicht. Die Metro steckt im Umbau und hat viele Baustellen. Von einer „Herkulesaufgabe“ sprach Vorgänger Eckhard Cordes in einem Interview.

Bei der Warenhaus-Tochter Kaufhof läuft ein Bieterrennen. Fast vier Jahre nach der Ankündigung stehen die Chancen für einen Verkauf so günstig wie nie. Die österreichische Immobilienfirma Signa mit ihrem Chef René Benko auf der einen Seite und ein Konsortium aus Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen und dem Finanzinvestor Blackstone auf der anderen Seite gelten als die aussichtsreichsten Bewerber. Koch muss in nicht allzu weiter Ferne entscheiden, wer den Zuschlag bekommt. Damit werden über 20 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen. Für die Arbeitsplätze ist dann der Investor verantwortlich. Der Wert der Warenhauskette wird auf zwei bis drei Milliarden Euro geschätzt.

Die größten Baustellen sind jedoch Media Markt und Saturn. Europas führende Elektronikketten sind die zweitwichtigste Ertragsquelle des Konzerns nach den Metro-Großhandelsmärkten. Sie mussten eine Aufholjagd im Internet starten. Dem Kauf des Internethändlers Redcoon folgte im Oktober der Online-Shop von Saturn. Media Markt eröffnet im kommenden Monat seinen Online-Shop. Die Neuausrichtung von Media-Saturn wurde vom Machtkampf zwischen Cordes und dem Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals überschattet. Kann Koch den Streit belegen? Noch nicht ausgestanden ist die Schmiergeldaffäre bei Media Markt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere ehemalige Manager.

Bei der Lebensmitteltochter Real hat der Metro-Vorstand nach früheren Angaben mehrere Optionen: Ein Verbleib im Konzern, ein Verkauf oder eine Partnerschaft. Angesichts des laufenden Kaufhof-Deals und den Herausforderungen bei Media-Saturn ist diese Weichenstellung zunächst einmal in den Hintergrund gerückt und nicht kurzfristig zu erwarten. Real beschäftigt allein in Deutschland 40.000 Mitarbeiter. Die Metro-Tochter bekommt allerdings die volle Aufmerksamkeit des einzigen Handelsexperten im Metro-Vorstand, Joël Saveuse. Der Franzose soll sich nach der neuen Arbeitsaufteilung in der Düsseldorfer Chefetage ganz auf die Weiterentwicklung von Real konzentrieren.

Bei Arbeitnehmervertretern besitzt Koch keinen großen Kredit. Der Zahlenexperte wurde nur mit einer Stimme Mehrheit vom Aufsichtsrat zum Konzernchef berufen. Er setzte als Finanzvorstand ein hartes Sparprogramm im Konzern um, bei dem 19 000 Arbeitsplätze im In- und Ausland wegfielen. Die Gewerkschaft Verdi machte vor der Personalentscheidung keinen Hehl daraus, dass sie einen Handelsexperten an der Konzernspitze bevorzugen würde. Cordes ließ dagegen keinen Zweifel daran, dass aus seiner Sicht Koch die richtige Wahl ist. Beide arbeiteten früher beim Autokonzern Daimler. In der Branche wird die Wahl als Richtungsentscheidung gesehen, dass der Sparkurs und der Umbau der Metro AG weitergehen.

Nach der Gewinnwarnung vor wenigen Wochen ist auch bereits klar, dass Koch keinen Traumstart hinlegen kann. Wurde 2011 noch anfangs als Rekordjahr ausgerufen, musste der Handelskonzern angesichts der ausufernden Schuldenkrise, Währungseffekten und Auswirkungen auf das Verbraucherverhalten im Jahresverlauf nach und nach zurück rudern. Anfang Dezember verkündete die Metro, dass sowohl Umsatz als auch das bereinigte operative Ergebnis 2011 hinter den Vorjahreswerten zurückbleiben könnten. Die Börse reagierte mit einem Kurseinbruch.

Einige Analysten sehen zudem die Glaubwürdigkeit des Managements angekratzt. Viel zu lange habe die Metro an einer Finanzplanung fest gehalten, die am Markt schon nicht mehr als erreichbar galt, schreibt die Investmentbank JP Morgan in einer Studie. Ein erstes Bild über den Geschäftsverlauf ergibt sich bereits am 17. Januar, wenn Metro vorläufige Umsatzzahlen für das abgelaufene Jahr veröffentlicht. 

dpa