Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Neuer Konkurrent für die Post
Mehr Welt Wirtschaft Neuer Konkurrent für die Post
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:52 20.01.2010
Von Lars Ruzic
Die Marke Citipost macht der Post bereits im Norden Deutschlands Konkurrenz. Quelle: Nancy Heusel
Anzeige

Die Konkurrenten der Deutschen Post greifen den Marktführer mit einem deutschlandweiten Zusammenschluss an. Die am Dienstag gegründete „Mail Alliance“ erreiche vom Start weg mehr als jeden zweiten Haushalt in Deutschland mit eigenen Zustellern, sagte eine TNT-Sprecherin. Weitere Partner würden sich im Laufe des Jahres anschließen.

Zu der Allianz zählen neben TNT auch die Postdienstleister der Medienkonzerne Holtzbrinck (Handelsblatt, Südkurier), Pressedruck (Augsburger Allgemeine) und Madsack (Hannoversche Allgemeine Zeitung, Leipziger Volkszeitung). Madsack hat gemeinsam mit anderen Verlagshäusern im vergangenen Jahr bereits einen Zustellverbund im Norden Deutschlands gebildet. Die mehr als 20 Partner decken mit der gemeinsamen Marke Citipost allein ein Gebiet mit mehr als 11 Millionen Einwohnern ab, das von der niederländischen bis zur polnischen Grenze reicht.

Anzeige

Ähnlich wie der Citipost-Verbund funktioniert auch die Mail Alliance. Die Partner strebten eine enge Systempartnerschaft an, sagte Geschäftsführer Michael Kunter. Dazu wurden Know-how, Zustellnetze und IT-Systeme der Beteiligten verknüpft. Damit sei künftig ein Briefversand „zu einheitlichen Preisen und Standards sowie mit einem Höchstmaß an Transparenz“ möglich, erläuterte Kunter. „Wir können mit Hilfe der Mail Alliance unseren regionalen Kunden in Zukunft auch ein bundesweites Angebot machen“, ergänzte Citipost-Geschäftsführer Gerd Feldgiebel in Hannover. Bislang mussten die alternativen Postdienstleister in Adressregionen, für die sie nicht selbst zuständig waren oder einen Partner hatten, auf die Deutsche Post als Zusteller zurückgreifen. Künftig können sie weite Teile Deutschlands mit ihrem eigenen Netz versorgen.

Damit starte „eine neue Offensive im Wettbewerb mit der Deutschen Post AG“, teilte die Mail Alliance mit. Auch mehr als zwei Jahre nach der formellen Liberalisierung des Briefemarktes dominiere der gelbe Riese das Geschäft noch immer, vor allem aufgrund von Marktzutrittsbarrieren wie dem „völlig überhöhten Post-Mindestlohn und der einseitigen Umsatzsteuerbefreiung“, kritisieren die Partner.

An diesen Hürden war einst die Pin AG gescheitert, die allerdings die vielen regionalen Zusteller auch durch Übernahme zusammenbringen wollte. Einem Verbund selbstständiger Unternehmen werden in der Branche größere Chancen eingeräumt. Die Postallianz nimmt ihre Arbeit mit vier Verteilzentren am kommenden Montag auf. Im Visier hat sie vor allem regional verankerte Geschäftskunden, Behörden und öffentliche Einrichtungen. In diesem Segment herrscht seit Jahren ein harter Preiskampf.

Der Bonner Konzern, dessen größter Einzelaktionär über die KfW-Bank noch immer der Staat ist, reagierte auf die Allianz gelassen. „Wir nehmen den Wettbewerb sehr ernst und beobachten ihn. Wir fühlen uns aber sehr gut aufgestellt“, sagte ein Sprecher. Nach von der Bundesnetzagentur veröffentlichten Schätzungen hat die Post 2009 einen Marktanteil von knapp 90 Prozent am Briefmarkt in der Bundesrepublik erreicht. Der Konzern kämpft aber gleichwohl mit sinkenden Sendungsmengen und schrumpfenden Gewinnen in seiner Briefsparte.